Sinner rutscht in indian wells durch, zverev kassiert schweißbad
Jannik Sinner hat in der Nacht auf Sonntag seine Siegesserie in Indian Wells fortgesetzt – mit einer Leistung, die an manchen Stellen glänzte, an anderen aber die Frage aufwarf, warum ein Spieler mit seiner Klasse sich überhaupt in solche Schlammschlachten verirrt.
Der 22-jährige Italiener rang Denis Shapovalov mit 6:3, 6:2 nieder, doch die Zahlen lügen: Erst nach einem frühen Break im Auftaktspiel schaltete Sinner den Turbo und riss dem Kanadier zweimal die Courage. „Er schlägt alles weg, was nicht nagelneu ist“, sagte Sinner später und wischte sich selbst den Staub von der Stirn. „Ich musste umschalten, sonst wäre das ein langer Abend geworden.“
Shapovalovs risiko zündete nur in phasen
Der Kanadier eröffnete mit First-Serve-Geschwindigkeiten jenseits der 210 km/h, warf Winner um Winner auf den Court und zwang Sinner in die Defensive. Doch jedes Mal, wenn Shapovalov die Kurve nahm, verlor er den Halt: 17 unerzwungene Fehler im ersten Satz, dazu eine Return-Quote von mageren 29 Prozent. Sinner konterte mit tiefen Halbfeld-Stopps und einem Return-Winner, der selbst Coach Darren Cahill aufspringen ließ.
Im zweiten Durchgang senkte Sinner seine Fehlerquote auf unter zwei pro Game, servierte fünf Asse in Serie und beendete die Partie mit einem Kick-Außen, den Shapovalov nur noch mit den Augen verfolgte. Match nach 83 Minuten – und trotzdem: „Ich hätte früher die Richtung wechseln müssen“, gestand Sinner. „Manchmal denke ich noch zu viel.“

Jetzt wartet fonseca – der next-gen-knüppel
Mit Joao Fonseca kommt ein 19-Jähriger, der in Kalifornien seine eigene Horror-Story schreibt. Der Brasilianer jagt jeden Ball wie ein Terrier, hat in der Qualifikation bereits Taylor Fritz aus dem Turnier befördert und serviert flacher, härter und dreckiger als die meisten Top-30-Kollegen. „Er hat nichts zu verlieren“, sagt Sinner. „Das macht ihn gefährlich.“
Für Sinner ist Indian Wells mehr als ein Masters – es ist die letzte Station vor dem Kapitel Clay, wo er in Monte Carlo und Rom endgültig die Saison definieren will. Ein Titel in der Wüste wäre das sechste Turnier in Folge mit Finale oder besser – eine Serie, die sich selbst Novak Djokovic in seinen besten Jahren nur selten erlaubte.
Zverev würgt sich mit tiebreak-krimi durch
Während Sinner souverän wirkte, schuftete Alexander Zverev durch die Nacht. Gegen Brandon Nakashima lieferte sich der Hamburger ein 2:32-Stunden-Epos mit 7:6, 5:7, 6:4. Der Deutsche verschoss sechs Matchbälle, schlug 53 Winner, aber auch 41 Fehler. „Ich habe mir selbst das Leben schwer gemacht“, sagte Zverev mit zittriger Stimme. „Aber ich bin noch drin – das zählt.“
Jetzt folgt Frances Tiafoe, der in Kalifornien mit dem Hausrasen-Modus unterwegs ist. Zverev führt die Head-to-Head-Bilanz 5:2, doch die letzte Begegnung in Wien ging in drei Sätzen an den Amerikaner. „Er spielt hier wie zu Hause, die Menge pfeift meine Aufschläge aus“, sagt Zverev. „Ich muss die erste Serve treffen, sonst wird das ein Kampf bis zur letzen Kerze.“
Die wüste wird zur schicksalswüste
Sinner und Zverev – zwei deutsche Top-Geschichten, zwei unterschiedliche Formkurven. Während Sinner die Tour in einen Schneidbrenner verwandelt, muss Zverev beweisen, dass sein Körner noch reicht, um in der Wüste zu überleben. Die nächste Runde fällt, bevor die Sonne über den Santa-Rosa-Bergen aufsteht. Für einen von beiden endet der Traum vom Tennis-Paradies vorzeitig.
Die Statistik spricht klar: Wer in Indian Wells das Achtelfinale übersteht, hat in den letzten zehn Jahren zu 70 Prozent auch das Halbfinale erreicht. Sinner ist der Favorit, Zverev der Verfolger. In der Wüste zählt nur, wer zuletzt noch Wasser im Rucksack hat.
