Sinner entkommt wieder: goldener masters-zyklus nach roman-show nur noch ein sieg entfernt

Jannik Sinner hat in Rom erneut bewiesen, dass er die Kunst des Entkommens beherrscht. Nach 4:2-Führung im dritten Satz gegen DaniilMedvedev stoppte der Regen das Halbfinale kurz vor Mitternacht – 18 Stunden später beendete der Italiener das Krimi und steht vor dem Career Golden Masters. Nur ein Sieg gegen Casper Ruud trennt ihn von einer Marke, die bisher nur Novak Djokovic erreichte.

Medwedews aufholjagd reicht nicht

Der erste Satz gehörte Sinner, dann riss der Faden. Medwedew schlug zurück, nutzte jeden körperlichen Zittern des Südtirolers und glich zum 1:1 aus. Im dritten Durchgang kam die Regenunterbrechung – für viele Spieler ein mentaler Todesstoß. Sinner aber kehrte mit der Ruhe eines Mannes zurück, der weiß, dass er Geschichte schreiben kann. Beim 6:4 im Entscheidungssatz war Medwedew chancenlos.

Die Zahlen sprechen Bände: Seit Paris 2025 hat Sinner alle Masters-Turniere gewonnen. Nummer sechs in Folge würde einen neuen Rekord bedeuten. Die italienische Hauptstadt wartet seit Adriano Panatta 1976 auf einen nationalen Helden – 50 Jahre Sehnsucht könnten enden.

Die nacht der schlaflosen stunden

Die nacht der schlaflosen stunden

Sinner gestand nach dem Match: „Ich hatte diese Nacht ein bisschen Probleme zu schlafen. Man schläft und weiß nicht, was am nächsten Tag auf einen zukommt.“ Die Unsicherheit, ob das Match jemals fortgesetzt wird, nagte an ihm. Doch genau diese Unruhe scheint ihn zu stählen. Früher verlor er Partien nach Rückschlägen, heute nutzt er sie als Treibstoff.

Die Parallele zum Australian-Open-Finale 2024 ist unverkennbar: Auch dort lag er gegen Medwedew mit 0:2 Sätzen zurück, auch dort fand er einen Weg. In Rom wiederholte sich das Muster – nur diesmal mit einer historischen Chance als Belohnung.

Ruud wartet auf seine revanche

Ruud wartet auf seine revanche

Casper Ruud beendete das Märchen von Francesco Darderi und will im Endspiel endlich ein italienisches Kapitel umschreiben. Der Norweger kennt die Drucksituation, doch gegen Sinner ist er zuletzt regelmäßig unterlegen. Das Foro Italico wird kochen – und mit ihm eine ganze Nation, die seit einem halben Jahrhundert auf diesen Moment wartet.

Sollte Sinner gewinnen, schreibt er nicht nur Tennis-Geschichte, sondern beendet eine Durststrecke, die älter ist als er selbst. Die Karriere des 24-Jährigen ist ohnehin auf Rekordkurs. Der Career Golden Masters wäre nur die nächste Logik.