Silber-rausch war nur der anfang: gaugisch fordert frauenhandball-revolution
Markus Gaugisch wirkt wie ein Mann, der gerade einen Lottogewinn eingelöst hat – und sofort an die nächste Ziehung denkt. „Wir hatten Erfolg, aber es ist ja oft so, dass Dinge nur ein Strohfeuer sind“, sagt der Bundestrainer der deutschen Handball-Frauen beim Blick zurück auf die Heim-WM. Das Silber war schön. Jetzt kommt die echte Arbeit.
Gaugisch schlägt alarm: der hype darf nicht verpuffen
Der 54-Jährige kennt die Muster. „Schon öfter der Fall, dass Sportarten über den Erfolg kurz in der Öffentlichkeit waren, dann aber wieder verschwanden.“ Sein Appell: „Jetzt geht es darum, weiter dran zu arbeiten.“ Der Frauenhandball habe eine Chance, sich dauerhaft zu etablieren. „Ich bin gespannt, ob wir das hinkriegen.“
Die Zahlen sind vielversprechend. In Weiden, dem Heimatverein von Viola Leuchter, meldeten sich nach der WM 40 neue Mädchen für die kommende Saison an. „Das ist am Ende genau das, wofür wir das Ganze machen“, sagt die Linkshänderin, die seit 80 Tagen quasi non-stop auf Achse ist. „Man hat gespürt, dass diese WM etwas verändert hat.“

Leuchter erlebt den boom hautnah
Sie kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. „Es waren einfach viele Leute auf einen zugekommen danach“, berichtet Leuchter. In Supermärkten, auf dem Parkplatz, im Training. Überall. „Die Rückmeldungen waren enorm.“ Der Silber-Coup habe offenbar Spuren hinterlassen – nicht nur in den Medien, sondern im Kleinen, im Verein, im Alltag.
Doch genau dort setzt Gaugisch an. „Der Frauensport generell soll einen positiven Stempel bekommen“, fordert er. Mädchen bräuchten Vorbilder, nicht nur für zwei Wochen im Dezember, sondern langfristig. „Das ist ein gemeinsamer Auftrag an alle“, sagt er und meint damit Verbände, Clubs, Politik – und sich selbst.
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat das Silber geholt. Jetzt gilt es, das Gold der Nachhaltigkeit zu sichern. Ohne nachhaltige Strukturen, ohne sichtbare Liga, ohne Plattform wird der Rausch verpuffen. Gaugisch weiß: „Wir mit Leitung und guter Arbeit.“ Sonst bleibt nur der Staub der Vergessenheit.
