Silas bricht sich schien- und wadenbein – mainz träumt trotz alptraum weiter
Ein harmloser Zweikampf, ein dumpfer Knall, ein Schrei – und das Europapokal-Märchen des 1. FSV Mainz 05 bekommt einen Riss, der bis in die Knochen geht. Stürmer Silas zog sich am Donnerstagabend in Olmütz einen offenen Bruch des linken Schien- und Wadenbeins zu, die Saison ist für ihn vorbei, die Stimmung im Lager der Nullfünfer auf Null.
Die szene, die niemand filmen wollte
58 Minuten waren gespielt, als sich der 27-Jährige ohne Fremdeinwirkung verfing. Kein Gegner, kein Foul, nur das Gras unter den Stollen – und dann das Entsetzen. Teamkollegen umringten den Verletzten, die tschechischen Ärzte rasten mit der Trage herbei, Sportdirektor Niko Bungert presste die Lippen zusammen. „Wir haben sofort befürchtet, dass es der Knochen ist“, sagte er später, „das Geräusch war eindeutig.“
Silas, erst im Januar von Stuttgart gekommen, hatte in Mainz gerade erst Fuß gefasst: acht Liga-Einsätze, ein Tor, jede Menge Sprintläufe. Gegen Sigma Olmütz lief er zum ersten Mal in einem europäischen Wettbewerb für den Klub auf – und wurde mit einer Gipsmanschette wieder abtransportiert. Die Uniklinik Olmütz stabilisierte den Bruch, dann ging’s per Sonderflug zurück nach Mainz, wo Professor Ulrich Stöckle und sein Team am Freitagmorgen die erste Operation durchführten. Ein Datum für den Comeback-Tag? Fehlanzeige. „Wir sprechen hier von Monaten, nicht Wochen“, sagt ein Interner.

Mainz muss ohne seinen turbo weiter
Die Verletzung wirft einen Schatten auf das, was eigentlich gefeiert werden sollte: ein 0:0 im Achtelfinal-Hinspiel, eine ausgezeichnete Ausgangslage für das Rückspiel am 15. März im Mewa-Forum. Trainer Urs Fischer forderte mehr „Zielstrebigkeit im letzten Drittel“, klagte über „zu viele ungenaue Flanken“, aber auch über „den Moment, der alles überschattet“. Seine Spieler bekamen den Auftrag, Silas das Ticket fürs Viertelfinale mitzubringen – eine Geste, die im Kabinenchor laut wurde, aber auf dem Platz nur halb gelang.
Nun rückt der Liga-Klassiker gegen Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr) in den Fokus. Beide Klubs trennen zwei Punkte, beide bangen um den Klassenverbleib. Für Silas wird auf der Tribüne ein Platz freigehalten, an seiner Stürmerposition rotiert vermutlich Nelson Weiper, 18 Jahre jung, frisch aus der U21. „Wir haben Tiefe, aber keine, die Silas eins zu eins ersetzt“, sagt Fischer trocken. Die Statistik gibt ihm recht: Mit 36,2 km/h Spitze ist Silas der schnellste Mainzer, 54 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnt er – beide Werte Spitzenwerte im Kader.
Am Freitagvormittag schon schickte der Klub eine Kiste Fan-Post ins Krankenzimmer: Schals, Karten, ein Video der Kurve, die seinen Namen skandierte. Silas antwortete per Instagram – Daumen hoch, Schiene im Blick. „Ich komme zurück“, schrieb er. Mainz hält die Träume für ihn warm: Europa und der Weg zurück aufs Feld. Die Ärzte sprechen von sechs Monaten, der Stürmer von einem Tag nach der Operation. Wer soll ihm widersprechen? Der Sport lebt von solchen Geschichten – und Silas hat schon einmal bewiesen, dass er schneller läuft, als die Prognosen es erlauben.
