Shiffrin dreht auf und packt die sechste kugel – aicher bleibt leer
17. Zwischenrang, zehn Gegnerinnen vor ihr, Emma Aicher als Joker im Rücken – Mikaela Shiffrin stand beim Finale in Saalbach kurz vor der größten Katastrophe ihrer Karriere. Dann trat sie in den zweiten Lauf, ließ die Kanten klicken und die Uhr auf Grün springen. 48 Sekunden später war alles klar: Shiffrin holt sich zum sechsten Mal die große Kristallkugel, Aicher muss als Dritte der ersten Runde mit leeren Händen nach Hause fahren.
Die 980 punkte aus dem slalom reichten – mehr nicht
Die Rechnung war simpel, die Ausgangslage vertrackt. Shiffrin brauchte Platz 15 oder besser, um Aicher die Chance auf die Gesamtwertung zu nehmen. Nach dem ersten Durchgang war sie 1,24 Sekunden hinter Führenden Sara Hector – für Shiffrin-Verhältnisse eine Ewigkeit. Die Amerikanerin fuhr trotzdem kein Risiko, sondern einen kontrollierten Angriff, der sie auf Rang zwölf schob. Mehr war nicht nötig, denn Aicher rutschte auf den vierten Platz ab und verlor damit ihre letzte Trumpfkarte.
Die 980 Punkte, die Shiffrin in ihrer Paradedisziplin Slalom eingesammelt hatte, wogen schwerer als jede Spekulation. „Ich wusste, dass ich nicht gewinnen muss, ich muss nur reinkommen“, sagte sie später mit dem Lächeln einer Frau, die schon oft genug die Nerven anderer zerfetzt hat. Die große Kugel geht an sie, die kleine Slalom-Wertung sowieso. Der Rest des Feldes kann wieder von vorne beginnen.

Aicher bleibt co-vize, aber ohne happy end
Emma Aicher fuhr das beste Rennen ihrer Karriere – und durfte trotzdem nicht jubeln. Die 22-Jährige aus Oberstdorf hätte gewinnen müssen und Shiffrin außerhalb der Punkte sehen müssen, um die Kugel noch zu klauen. Sie legte sich ins Zeug, verlor aber im unteren Streckenpart kostbare Hundertstel. Am Ende fehlten 0,38 Sekunden auf Hector, 0,12 auf die Podestplätze. Platz vier reichte nicht, um die 198 Punkte Rückstand auf Shiffrin aufzuholen.
Die deutsche Equipe reiste mit leeren Händen ab, während Shiffrin bereits denkt, wann sie Rekordkugel Nummer sieben anpackt. Für sie ist der Winter vorbei, für die Konkurrenz beginnt die mentale Aufräumaktion. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 13 Weltcup-Siege in dieser Saison, 97 insgesamt – und keine Lust, bald aufzuhören.
