Shiffrin deckt hass-postings auf: gold am hang, gift im netz

Gold um den Hals, Schmier im Handy. Mikaela Shiffrin hat in Cortina den Slalom dominiert und danach gezeigt, wie rau der Hang im Netz sein kann. Die 30-Jährige veröffentlichte private Nachrichten – Mordwünsche, Beleidigungen, fett ironische Verletzungsfantasien. Ein Kommentar: „Es wäre so schade, wenn du dich verletzt und nie wieder skifahren kannst.“ Die Begründung steckt in einem Mandela-Zitat, das sie Wochen zuvor zitierte.

„Frieden ist nicht nur die abwesenheit von konflikten“

Shiffrins Antwort auf eine Frage zur Lage in den USA war eigentlich ein Appell für Inklusion. Sie ließ sich nicht auf Trump ein, sprach stattdessen von Vielfalt und Respekt. Genug, um in gewissen Kreisen als Vaterlandsverräterin zu gelten. Die Wut schwappte über Instagram, TikTok, Twitter. Ihr Management schaltete die Plattformen, sperrte Kommentarspalten, löschte Accounts. Shiffrin selbst bemerkte während der Wettkämpfe nichts – Social-Media-Sperre bis zur Siegerehrung.

Die Zahlen sind klein, aber glühend: 214 Nachrichten in fünf Tagen, 37 davon mit Körperverletzungsandrohung. Das FBI nimmt sich der Sache an, weil ein Absender aus den USA drohte, ihr bei der Heim-WM in Saalbach „die Stöcke zu brechen“. Die Skiwelt reagiert mit Schweigen und Schulterzucken. Viele Athleten fürchten sich vor Repressalien, wenn sie sich politisch äußern. Shiffrin sagt, sie werde nicht aufhören, „weil Stille den Lärm nur lauter macht“.

Die rechnung kommt nach dem rennen

Der Olympia-Alltag blendet ab, das Medien-Aftershock nicht. Shiffrin flog nach Hause, öffnete das Handy und fand sich als „Schlampe“, „wertloses Stück“, „verdammter Witz“. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Wer während der Spiele attackiert, stört die Medienagenda nicht. Wer danach postet, trifft ein größeres Publikum. Shiffrin nutzt den Moment, um ein Exempel zu statuieren. Sie kennzeichnet jedes Posting, zeigt Namen, Orte, IP-Adressen. Ihr Anwalt reicht erste Klagen ein.

Der Skiverband USA will „konsequente Maßnahmen“, der ÖSV lehnt „politische Nebengeräusche“ ab. Der Weltverband FIS rudert zurück: Man werde „Sensibilisierungskurse“ für Athleten anbieten. Shiffrin lacht dünn: „Kurse reichen nicht, wenn der Strom offen ist.“ Sie trainiert bereits wieder in Levi, plant 100 Starts bis 2026, will Rekorde pulverisieren. Die nächste Attacle wartet vermutlich schon in der Inbox.

Am Ende zählt nur eine Zahl: 86 Weltcupsiege, Tendenz steigend. Die Drohungen sind lärmend, das Gold leise – und hält ewig.