Fulvio bernardini: der mann, der den bologna ins paradies führte – und nie roma vergaß

Ein Scudetto mit Bologna, aber das Herz in zwei Farben gespalten: Mariolina Bernardini erzählt, wie ihr Vater Fulvio den Mythos der „Rossoblù“ schuf – und warum ihm die Roma den Traum verweigerte.

„Ich sehe noch die autos mit den fahrenden fans, die hupen klangen wie ein siegesorchester“

Mailand, 12. März. Die Nacht endet nie. 1964, Stadio Olimpico, 35 Grad im Schatten, Bologna zertrümmert das Inter von Moratti – und Fulvio Bernardini, der „Doktor“, hebt die Arme. Seine Tochter Mariolina steht auf der Kurve, zwölf Jahre alt, das Leben ein Feuerwerk. „Papa hatte Karten besorgt, wir saßen zwischen den Bomboloni-Fressern und den Fischverkäufern. Als der Schiri piff, glaubte ich, das Stadion würde abheben.“

Die Familie Bernardini war damals halb in Trastevere verwurzelt, halb in der Via Irnerio – eine Doppelidentität, die bis heute schmerzt. Denn der Titel mit Bologna war nur die halbe Wahrheit. Die andere: Roma hatte ihn zuvor abgelehnt. „Die Marchini kamen zu uns nach Hause, Papier war bereit, er wollte den Dreijahresplan mitbringen, um endlich die Giallorossi zu Meistern zu machen“, sagt Mariolina. „Dann kam ein Anruf: Herrera statt Bernardini. Papa sagte kein Wort, starrte nur auf den Fernseher, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet.“

Warum bologna flog und roma stolperte

Warum bologna flog und roma stolperte

Bernardini zog nach Emilia, baute aus Nielsen, Janich und Bulgarelli ein Orchester. Kein Catenaccio, sondern ein Walzer. „Er nannte es ‚Calcio con i piedi buoni‘ – kein Slogan, ein Bekenntnis“, lacht Mariolina. „Janich rief ihn Papa, mich Schwesterherz. Als Nielsen in Kopenhagen heiratete, fuhr Papa mit dem 500er durch Europa, nur um das Hochzeitsfoto zu machen.“

Roma aber blieb die offene Wunde. 200 Spiele als Kapitän, 1928 vom Lazio gekommen, zwei Mal Juve abgelehnt – wegen Roma. „Er konnte nicht ertragen, dass die eigenen Präsidenten ihn für einen Argentinier opferten, der nie das Lied der Kurve kannte.“ Die Roma gewann später mit anderen Trainerlegenden – aber nie mit dem eigenen Sohn. „Das ist wie eine Liebe, die dir der Vater verbietet, obwohl sie deine erste war“, sagt Mariolina leise.

Heute schreibt sie vor jedem Bologna-Spiel mit Stefano Dall’Ara auf WhatsApp: ein Blitz, ein Hufeisen, ein Kleeblatt. „Aberglaube? Nein, Überleben. Denn wenn Bologna verliert, träume ich noch immer, Papa würde im Regen vor dem Dall’Ara stehen und die Jacke enger ziehen.“

Der euroderby-puls: zwei städte, ein herzschlag

Der euroderby-puls: zwei städte, ein herzschlag

Am Donnerstag treffen sie wieder aufeinander, Roma und Bologna, Europa-League-Viertelfinale. Mariolina wird das Spiel alleine im Wohnzimmer gucken, „zwischen einem Krug Sangiovese und einem Teller Tortellini – halb rot, halb blau“. Sie lacht, aber die Stimme bricht. „Ich weiß, dass Papa heute sagen würde: ‚Wenn du nicht weißt, für wen du schaust, schau aufs Spiel – und schweig. Der Ball rollt für alle.‘“

Die Zahlen? Egaly. Die Emotion? Bologna führt 3:1 durch die Erinnerung. Denn wer 1964 im Paradies war, braucht keine neue Holunderblüte. „Und Roma? Die wird irgendwann auch wieder einen Scudetto holen. Aber der erste mit einem eigenen Sohn bleibt ungeschrieben – und das ist die bitterste Trophäe, die ein Vereum je gewann.“