Shedden packt aus: genoni wäre mein game-7-guy – keine frage
Doug Shedden hat den Mund nicht zu voll genommen. Der ehemalige EVZ-Coach schickt Leonardo Genoni ins Allstar-Universum und erklärt den Schweizer Keeper zur ultimativen Waffe für die Ewigkeit – selbst vor Wayne Gretzkys Torhüter-Legenden.
„Ich würde ihn vor jedem anderen nehmen“
Sechs Jahre Stand der Kanadier in Zug an der Bande, zwei Meisterschaften, drei Spengler-Cups mit Team Canada. Doch wenn Shedden heute vom härtesten Tag seiner Trainerkarriere spricht, dann klingt er wie ein Fan, der nie über die Playoff-Niederlagen gegen Genoni hinweggekommen ist. „Wir verloren zweimal in den Finals gegen ihn. Verdammt, er hat uns das Herz rausgeschnitten“, sagt er im Gespräch mit der Luzerner Zeitung.
Die Nummer 1, die Shedden nie selbst coachen durfte, wird zur fixen Idee. „Wenn ich ein einziges Spiel gewinnen muss – Olympia-Finale, Game 7, alles auf eine Karte – dann rufe ich Genoni an. Seine Aura frisst Schüsse, bevor sie abgefeuert werden.“ Der 64-Jährige lacht, aber er meint es ernst. „Ich habe Roy, Brodeur, Price gesehen. Keiner strahlt so eine Ruhe aus. Er steht im Tor wie ein Schweizer Banktresor: kompakt, unzerstörbar, selbst die Scheiben kriegen Angst.“

Die stats, die hinter dem mythos stehen
Genoni ist in dieser Saison wieder Spitze: 93,2 % Fangquote, 1,98 Gegentore pro Spiel, fünf Shutouts – und das bei einem EVZ, der hintenraus nicht immer dicht stand. Shedden kennt die Zahlen, aber er redet lieber über die unsichtbaren. „Schau dir an, wie er die Abwehr sortiert. Kein Geschrei, nur Handzeichen. Die Schlittschuhbilder seiner Verteidiger sind nach 60 Minuten noch exakt auf dem Fleck. Das ist kein Zufall, das ist Gehirnwäsche auf höchstem Niveau.“
Für Shedden ist Genoni der Prototyp des modernen Keepers, der das Spiel vor dem ersten Bully gewinnt. „Früher haben wir Torhüter gefilmt, wie sie sich warm machen. Bei Leo reicht ein Blick. Er steht da, lächelt kaum, und du weißt: Heute wird nix aus eurem Powerplay.“

Warum zug ihn damals nicht holte
2009 suchte der EVZ einen Nachfolger für Ari Sulander. Genoni spielte in Langnau, war 25, preiswert, hungrig. Shedden schlug ihn vor. „Die Antwort vom Management: ‚Zu klein, braucht noch zwei Jahre.‘ Ich sagte: ‚Leute, dieser Typ wird einmal der Beste der Liga.‘ Sie wollten einen fertigen Star, nicht einen Rohdiamanten.“ Shedden zuckt mit den Schultern. „Zwei Jahre später hat er uns in der Serie ausgeschaltet. Da saß ich auf der Bank und dachte: Eure Meisterschaft, eure Fehler.“
Heute arbeitet Shedden in Bozen, wo er mit dem HCB wieder oben mitmischt. Genoni jagt in Zug den nächsten Titel. Eine Zusammenarbeit wird nicht mehr passieren, aber die Bewunderung bleibt. „Ich habe ihm einmal nach einem Playoff-Spiel die Hand geschüttelt. Er sagte nur: ‚Coach, nächstes Jahr sind wir wieder da.‘ Kein Trash-Talk, keine Show. Einfach nur Selbstverständlichkeit. Genau deshalb würde ich ihn sofort wieder nehmen – und deshalb haben wir damals verloren.“
Die Message ist klar: Wer Genoni unterschätzt, verliert. Wer ihn kennt, wie Shedden, verehrt ihn. Und der EVZ? Der hat ihn immer noch – und das ist momentan der größte Luxus der Liga.
