Shaqiri versinkt im schweigen: basel siegt, der captain schweigt
125 Länderspiele, zwölf Scorerpunkte gegen Winterthur, null Treffer seit sieben Partien. Die Zahlen klatschen dem Captain ins Gesicht, während die Berner Oberländer Selfies klicken.
Xherdan Shaqiri lacht trotzdem. Er wirft den Kopf zurück, posiert mit gegnerischen Fans, als wäre nichts. Doch im Gras von St. Jakob-Park nagt eine Statistik, die selbst ihn erwischt: Seit dem 8. Februar hat kein Ball mehr sein Kreuzband getroffen, nur noch die Latte seiner Psyche.
Lichtsteiner zieht die notbremse
Stephan Lichtsteiner, selbst einst unversoffener Krieger, lässt seinen Freund in der Kabine. „Kein Risiko“, sagt er, „es kommen schwere Wochen.“ Womit er recht hat: Basel ohne Shaqiri war lange eine Kopie ohne Original, doch plötzlich gewinnen sie auch ohne ihn. 2:0 gegen Winterthur, vierte Pleite der Thuner in Serie, die Bebbi springen auf Rang vier.
Als Shaqiri dann doch kommt, ist es schon 2:0. 39 Ballkontakte, 78 Prozent Passgenauigkeit – Statistiker würden sagen: solide. Aber Statistiker erzählen keine Tore. Eine Hereingabe wird zum 2:0, doch das Tor schießt Ademi, nicht er. Die Assist zählt, die Flaute auch.

Die maske rutscht, das lächeln bleibt
Die Fans singen trotzdem seinen Namen. Sie wissen: 10 Tore, 10 Vorlagen in dieser Saison – ohne ihn stünde Basel woanders. Aber sie wissen auch: Seit dem 8. Februar ist der Captain nur noch Joker oder Früh-Ausgewechselter. 20 Minuten gegen Lausanne, 45 gegen GC, kein Schuss, kein Jubel.
Lichtsteiner redet von „Mentalitätssieg“, von „nicht schönem Fußball“. Er meint: Wir haben gewonnen, obwohl unser Herzstillstand spielt. Und Shaqiri? Der steht nach dem Spiel vor der Südkurve, lässt Selfies machen, als wäre alles im Lot. Die Kamera lügt nicht, die Tabelle auch nicht.
Die Wahrheit ist hart: Basel kann ohne ihn gewinnen, aber nicht gewinnen, wenn er nicht irgendwann wieder trifft. Die nächsten Gegner heißen YB, St. Gallen, Lugano. Drei Teams, gegen die er früher den Ball zum Tanzen brachte. Jetzt bringt er nur noch die Fans zum Klatschen – und das ist nicht genug.
Die Uhr tickt. Nicht nur für die Europacup-Plätze, sondern für einen Mann, der mal der kleine Zauberer war und heute nur noch der große Unsichtbare. Wenn er nicht bald trifft, wird Basel ihn nicht abstoßen, aber die Zeit schon.
