Sg sollingtor: fußballverein in verbands-haft?
Ein kleines Waldstadion in Fürstenberg, Niedersachsen – eigentlich ein Ort der Freude und des Kinderlachens. Doch hinter den ausgelassenen Geräuschen der F- und E-Jugendteams der Spielgemeinschaft Sollingtor verbirgt sich eine bittere Geschichte: Der Verein fühlt sich von seinem Fußballverband in die Enge getrieben, gefangen in einem Teufelskreis aus weiten Auswärtsfahrten und verpassten Chancen.
Die ungewollte reise: kilometerweise frustration
Die Fusion zweier kleiner Fußballkreise hat für die SG Sollingtor eine unerwartete Konsequenz: Die Auswärtsspiele sind zur halben Tagesreise geworden. Fabian Sündermann, aktiver Spieler und Vater eines Jugendspielers, spricht von durchschnittlich 60 Kilometern pro Strecke, in manchen Fällen sogar 80. „Für die Senioren vielleicht noch machbar, aber für die Eltern unserer Jugendmannschaften ist der Aufwand kaum zu stemmen“, erklärt er frustriert. Die Eltern stehen vor einem Dilemma: Entweder sie opfern ihre Wochenenden für die Fahrten oder sie ziehen ihre Kinder in andere Vereine.

Ein hoffnungsschimmer: der wechsel nach höxter
Die Lösung liegt nur wenige Kilometer entfernt: Der Fußballkreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Dort würden die Auswärtsfahrten auf maximal 20 Kilometer schrumpfen. „Das wäre ein Segen für uns“, sagt Achim Helm, Vorstandsmitglied der SG Sollingtor. Doch der Traum vom Wechsel scheint unerreichbar. Während die Verantwortlichen in Höxter dem Wechsel bereitwillig zugestimmt haben, blockiert der Fußballverband Niedersachsen (NFV) den Transfer.

„Gebietsschutz“ als stolperstein: eine frage der landesgrenze
Der NFV beruft sich auf den sogenannten „Gebietsschutz“, eine Regelung, die die territoriale Zuständigkeit der Verbände nach den Grenzen der Bundesländer gewährleistet. Manfred Finger, Sprecher des Verbandes, erklärt schriftlich: „Würde Vereinen in Grenzlagen grundsätzlich ein Wechsel in benachbarte Verbandsgebiete ermöglicht werden, bestünde die Gefahr, dass der reguläre Spielbetrieb in einzelnen Kreisen nachhaltig beeinträchtigt oder in seiner bisherigen Form nicht mehr aufrechterhalten werden könnte.“ Eine Aussage, die bei den Verantwortlichen der SG Sollingtor für wenig Verständnis sorgt.

Die ironie des schicksals: ferienchaos und drohende abwanderung
Doch die Problematik geht noch weiter. Die unterschiedlichen Ferienzeiten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verursachen ein permanentes Chaos bei der Spielplanung. „Wir müssen ständig Spiele verlegen, was zu Ansetzungen unter der Woche führt, die angesichts der weiten Fahrten unzumutbar sind“, klagt Helm. Die Situation ist so angespannt, dass einige Eltern bereits überlegen, ihre Kinder in Vereine in Höxter zu wechseln. „Wir sind hier in einer Situation, in der unser Verein existentiell bedroht ist“, warnt Sündermann.
Die SG Sollingtor kämpft um ihre Zukunft – ein Kampf, der die Frage aufwirft, wie der Fußballverband Niedersachsen den Amateurfußball wirklich unterstützt. Denn während der DFB mit seinem Masterplan die Stärkung des Fußballs proklamieren möchte, scheint die SG Sollingtor im Niemandsland zwischen zwei Verbandswelten zu stehen. Die Antwort des DFB auf eine entsprechende Anfrage verweist lediglich an den NFV – ein Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.
