Sevilla wirbelt wieder am trainerstuhl: garcía plaza soll das schiff vor dem absturz retten
Im Sánchez-Pizjuán ticken die Uhren anders. Wieder einmal schlägt der Klub viertklassig auf dem Trainerrad ein, wieder einmal sitzt ein neuer Mann auf der Bank – und wieder einmal geht es ums nackte Überleben. Nach dem Rauswurf von Matías Almeyda ist Luis García Plaza der Auserwählte, der den Andalusiern mit neunSpielen Saisonrest die rote Laterne entreißen soll.
Die crash-statistik: vier trainer in vier jahren
Seit 2021 wechselte Sevilla vier Mal den Coach – ein Wert, der selbst in der krisengebeutelten Primera División seinesgleichen sucht. Die Logik dahinter ist einfach und brutal: wer unten landet, fliegt raus. García Plaza kennt diesen Modus. Er wurde in Alavés kurz vor Weihnachten gefeuert, obwohl sein Team zehn Punkte über dem Strich lag. Der Klub wollte keine Relegation riskieren, der Trainer durfte gehen. Nun erhält er dieselbe Chance von der anderen Seite.
Seine DNA: Pragmatismus. Kein Tiki-Taka, kein Ballbesitz-Fetisch, sondern kompakte Blöcke, schnelle Gegenstöße, Kopfball-Maximierung. Die Statistik spricht für ihn: vier Aufstiege in seiner Vita, kein einziger Abstieg. Das klingt nach Retter, doch das Sevilla, das ihn erwartet, ist kein Levante 2010 oder Mallorca 2021. Die Mannschaft kassierte 51 Gegentore, mehr als jeder andere LaLiga-Klub. Die individuellen Fehler häufen sich wie Schneemauern in Sierra Nevada.

Der plan: erst dichtmachen, dann zuschlagen
García Plaza wird wohl sofort auf 5-4-1 oder 4-2-3-1 umschalten. Azpilicueta rückt von der Außenbahn in die Mitte, Gudelj wird zur Abwehranker-Pivot, Ejuke und Vargas sollen die Außenbahnen in Sprintduellen verheizen. Akor Adams bekommt den Job als einsamer Stürmer, hinter ihm lauert der freie Mann Jordán, den der Coach schon in Alavés schätzte. Die erste Lektion lautet: Kein Risiko vor dem eigenen Sechzehner. Die zweite: Standards nutzen. Bei 42 % der Gegentore fiel Sevilla durch Eckbälle oder Freistöße rein – ein offenes Tor für den neuen Psychologen, den García Plaza mitbrings.
Der Ernstfall beginnt am 30. März im Carlos Tartiere gegen Oviedo. Kein Spiel, sondern eine Finale-Version neun Mal in Serie. Danach empfängt Sevilla Atlético – das letzte Heimspiel, das noch Stadiu atmen kann, bevor die Angst die Ränge lahmlegt. Wer danach noch zittert, muss nach Levante reisen, wo der Gegner ebenfalls ums Überleben bohrt. Drei Sechs-Punkte-Spiele in 14 Tagen. Die Rechnung ist simpel: sieben Punkte aus diesen Partien bedeuten 80-Prozent-Chance auf Klassenerhalt, sagt das Datenmodell von Opta. Darunter droht der Abstieg, drüber rettet sich der Klub seit 23 Jahren nie.

Die frage lautet nicht: kann er? sondern: hält die kabine?
Die Spieler gaben Almeyda noch eine Whatsapp-Glückwunsch-Armada, doch die Loyalität war ein Papierboot. Nun steht ein Trainer vor ihnen, der keine Instagram-Reden hält, sondern Einheiten bis zur Erbrechensgrenze. Seine Übungseinheiten in Alavés wurden „KZ-Lauf“ genannt – 3 gegen 3 auf 20-Meter-Platz, kein Ball, nur Sprint und Sprint. Die Gruppe mag sich, aber die Fraktionen sind längst sichtbar: die Spanischen Legionäre um Rakitic, die Franzosen um Gudelj, die Neue-Welt-Truppe um Nianzou. García Plaza muss sie alle in eine Keilerei verwandeln, sonst reicht seine Taktik nicht.
Die Stunde Null schlägt am Sonntag um 18:30 Uhr. Dann wird im Tartiere nicht nur ein Ball rollen, sondern ein ganzer Klub. Wenn García Plaza dort gewinnt, darf er in Sevilla an die Wand malen: „45 Punkte reichen“. Verliert er, beginnt die Schlussphase mit dem Damokles-Schwert über dem Kopf. Die Liga ist kein Schönheitswettbewerb mehr, sie ist ein Kampf ums reine Überleben. Und in diesem Kampf zählt nur eine Währung: Punkte. Alles andere ist Geschichte.
