Sevilla: eine saison der enttäuschungen und des knappen klassenerhalts
Die Zahlen lügen nicht, und im Fall des FC Sevilla offenbaren sie eine Saison, die weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Trotz des späten Aufschwungs unter Luis García Plaza und dem damit verbundenen Klassenerhalt zeigt die statistische Analyse ein Bild der strukturellen Schwächen, die den Verein seit Jahren plagen.
Die bittere wahrheit hinter dem klassenerhalt
Mit nur 43 Punkten und dem 13. Platz in der Liga hat Sevilla seine drittschlechteste Saison des 21. Jahrhunderts hingelegt – nur die Saisons 2011/12 und 2012/13 waren schlechter. Ein Klassenerhalt, der mehr Glück als Spielstärke zu verdanken war, wie die nackten Zahlen beweisen.
Die Defensive: Ein Sieb Besonders schmerzhaft ist die erschreckende Defensive. Mit 60 Gegentoren war Sevilla das drittschlechteste Team der Liga, nur Levante und Real Sociedad waren noch anfälliger. Diese Bilanz ist der schlechteste Wert seit der Saison 2010/11, als man zwar auch 61 Gegentreffer zuließ, dafür aber auch 62 Tore erzielte und am Ende auf dem fünften Platz landete. Die mangelnde Stabilität in der Abwehr ist alarmierend und muss dringend angegangen werden.
Ein weiteres Problem ist die hohe Anzahl an selbstverschuldeten Gegentoren. Sevilla räumte mit 11 Elfmetern gemeinsam mit Celta die meisten Elfmeter der Liga ein – ein deutliches Zeichen für mangelnde Disziplin und Aggressivität im Zweikampf.

Aggressivität und fehlende disziplin: ein widerspruch
Paradoxerweise zeigte Sevilla über weite Teile der Saison auch eine bemerkenswerte Aggressivität. Mit 434 gewonnenen Zweikämpfen führte man diese Statistik der Liga an. Gabriel Suazo stach hier besonders hervor und war mit 62 gewonnenen Zweikämpfen sogar der viertbeste Spieler der Liga in dieser Disziplin. Doch diese Intensität ging mit einem Mangel an Disziplin einher. Sevilla beging mit 561 Fouls die drittmeisten Fouls der Liga und benötigte nur 5,34 Fouls pro gelber Karte – der zweitschlechteste Wert überhaupt.
Das Resultat ist verheerend: 105 gelbe Karten – die meisten der gesamten Liga. José Ángel Carmona und Lucien Agoumé führen diese unrühmliche Statistik individuell an. Diese fehlende Disziplin kostet das Team regelmäßig wichtige Spieler und untergräbt die taktische Ausrichtung.

Offensive schwächen und standardsituationen
Auch in der Offensive offenbaren sich deutliche Schwächen. Die Abstimmung der Stürmer ist lückenhaft, was sich in 102 Abseitstellungen niederschlägt – der höchste Wert der Liga. Akor Adams führte diese unrühmliche Liste mit 41 Abseitspositionen an.
Die Trefferquote ist ebenfalls erschreckend. Mit nur 137 Torschüssen zwischen den Pfosten ist Sevilla eines der ineffektivsten Teams der Liga. Besonders bitter ist die Tatsache, dass das Team bei Standardsituationen komplett versagt. Mit lediglich fünf erzielten Toren aus Standardsituationen ist Sevilla das schlechteste Team der Liga in dieser Disziplin. Angesichts der Kopfballstärke des Teams ist dies umso ärgerlicher. Kike Salas sticht hier als viertbester Kopfballspieler der Liga hervor, konnte diese Qualität aber kaum in Tore ummünzen.
Vlachodimos: Lichtblick in dunklen Zeiten Ein Lichtblick in dieser ansonsten düsteren Saison war Odysseas Vlachodimos, der mit 3.060 Minuten und 34 Partien der Spieler mit den meisten Einsätzen war. Auch Djibril Sow zeigte mit fünf Toren und vier Assists seine vielseitigen Qualitäten. Akor Adams erzielte trotz seiner Abseitprobleme zehn Tore und bereitete vier weitere vor. Doch diese individuellen Leistungen reichen bei Weitem nicht aus, um die kollektiven Schwächen auszugleichen.
Die Saison 2023/24 war eine bittere Lektion für den FC Sevilla. Der Klassenerhalt ist zwar gesichert, doch die statistischen Daten machen deutlich, dass tiefgreifende Veränderungen notwendig sind, wenn der Verein in Zukunft wieder eine ernstzunehmende Rolle spielen soll. Die kommenden Transferfenster werden entscheidend sein, um die Mannschaft zu verstärken und die strukturellen Schwächen zu beheben. Es bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen die richtigen Entscheidungen treffen können, um den Verein wieder auf Kurs zu bringen. Die Fans können sich darauf verlassen, dass die kommende Saison erneut eine Herausforderung sein wird.
