Sever zündet play-in-feger und will slowenien nach freiburg schießen
Mark Sever fasst die verlorene Serie gegen den SC Bern in zwei Sätzen zusammen: „Wir raus, ich rein.“ Der 21-jährige EHC-Biel-Flügel war der einzige Seeländer, der in den zwei Play-in-Spielen nicht wankte, sondern traf – doppelt – und damit sogar die slowenische Nationalmannschaft auf sich aufmerksam machte. Nun liegt seine Zielkarte nicht mehr in der Schweiz, sondern 700 Kilometer westlich: Fribourg, Arena, Mai 2025.
Der durchbruch kommt mit schützenhilfe
13 Punkte in 21 NL-Einsätzen lesen sich für einen Debütjahrgang wie ein Lehrbuchangriff. Dahinter steckt aber die ungeschriebene Geschichte eines Angreifers, der bis Februar nur vierte Reihe durfte und dann dank Verletzungspech der Stammkräfte plötzlich Powerplay-Zeit kassierte. Sein Coach im Juniorenbetrieb sagte einmal: „Mark spielt Eishockey, als wäre das Spielfeld schief – er rennt immer den kürzesten Weg nach oben.“ Diese Neigung zum Direkten zahlte sich aus: fünf Tore, acht Assists, zwölf davon in den letzten 13 Vorrundenspielen. Die Torschützenliste der Liga führt zwar andere an, aber wer die Shot-Maps studiert, findet Sever’s Markierungspunkte dicht vor dem Slot. Er schießt selten, wenn er trifft, dann aber tödlich.
Im Hinspiel gegen Bern versenkte er zwei Rebounds vor dem Tor und schraubte die Quote der Bieler auf 4:3. Das Rückspiel verlor Biel, Sever gewann trotzdem. Denn während die Kollegen die Koffer packten, klingelte sein Handy. SMS vom slowenischen Teamchef: „Mai. Freiburg. Bist du dabei?“

Die qualifikation beginnt im kopf
Letztes Jahr schaffte er den Kader nicht, obwohl er in der Vorbereitung zwei Testtore erzielt hatte. Die Begründung: „Noch nicht robust genug für internationales Eis.“ Sever nahm die Absage nicht als Urteil, sondern als Hausaufgabe. Seitdem trainiert er mit einem alten Zollkoffer voller Sandsäcke auf dem Eis, um die Balance im Gedränge zu halten. Er wiegt inzwischen 88 Kilo bei 1,81 Meter – plus 4 Kilo Muskelmasse, minus 2 Prozent Körperfett. Die Daten schickt er jeden Freitag an den Conditioning-Coach der Nationalmannschaft. „Ich will nicht gefragt werden, ob ich mitkomme. Ich will gefragt werden, mit wem ich spiele.“
Die WM-Gruppe in Freiburg verspricht ein Kellerduell gegen die Schweiz. Slowenien will sich mit Kanada, Finnland und dem Gastgeber messen. Für Sever wäre es das Heimspiel im Auswärtstrikot: „Ich kenne die Banden, die Publikumsrufe, selbst das Züge-Ticket hab ich noch.“ Die Familie wohnt 45 Minuten von Freiburg entfernt. „Mein Dad hat schon einen Stapel Karten. Falls ich falle, kann er sie immer noch verschenken.“
Er fällt nicht. Die Statistik spricht für ihn: In den letzten sieben Spielen, in denen Sever mehr als 14 Minuten Eiszeit bekam, sammelte er neun Punkte. Die Arbeitsrate pro Spiel stieg um 18 Prozent. Und die versteckte Zahl: Bei 5-on-5 gewann er 56 Prozent der Bullys in der Angriffszone – Schlüssel für Ballbesitz und Druck. Nationaltrainer Matjaž Kopitar baut genau auf diese Kreisgewinne. Fribourg wird klein, Sever könnte groß werden.
