Serie a 30. spieltag: schiri-chef setzt kollegen unter druck – milan und juve mit heim-pech

Andrea Colombo darf am Sonntagabend im Stadio Artemio Franchi die große Show leiten: Fiorentina gegen Inter, Topspiel des 30. Spieltags, Titelrennen gegen Champions-League-Hoffnung. Der 40-Jährige aus der Sektion Como bekommt genau die Partie, die seine Karriere entweder katapultiert – oder in die Schlagzeilen rückt.

Warum diese personalie für empörung sorgt

Colombo hat in dieser Saison bereits drei Inter-Spiele gepfiffen, dabei zwei Siege der Nerazzurri, zuletzt das 2:0 in Lecce. Die Statistik lautet: 9,3 Fouls pro Spiel gegen Inter, 14,2 für den Gegner. Die Zahlen flüstern, Vincenzo Italiano flucht schon jetzt. Denn sein Klub hat unter dem Mann aus der Lombardei noch nie drei Punkte geholt.

Parallel lauert am Samstag das nächste Feuerchen: Matteo Marchetti aus Ostia leitet Juve gegen Sassuolo. Die Alte Dame forderte ausdrücklich „einen Referee mit internationaler Erfahrung“, bekam stattdessen den 35-Jährigen, der erst seit Januar auf der Elite-Liste steht. Ein internes Fax aus Turin soll bereits beim Verband eingegangen sein – Protest natürlich leise, aber deutlich.

Die kompletten schiri-einsätze im überblick

Die kompletten schiri-einsätze im überblick

Freitag, 18.30 Uhr: Napoli – Cagliari, Maurizio Mariani. Der Pfeifer, der in Rom schon als „Mr. VAR“ gilt, weil er selbst am Monitor sitzt, wenn andere laufen. Kurios: Seine letzten drei Neapel-Einsätze endeten 1:1, 0:0, 1:1 – Tippfreunde notieren.

Samstag, 15 Uhr: Parma – Cremonese, Fabio Fabbri. Der Mann mit den meisten Abseits-Entscheidungen der Saison (47) trifft auf zwei Teams, die nur zusammen 18 Tore erzielt haben – eine Mischung, die für lange Laufwege der Assistenten sorgt.

18 Uhr, San Siro: Milan – Turin, Francesco Fourneau. Der Römer pfiff Milan zuletzt beim 3:0 gegen Empoli, dabei gab er nur zwei Gelbe – Minimalwert. Stefano Pioli atmete auf, Ivan Juric rechnet schon mit „einem offenen Schlagabtausch“.

20.45 Uhr, Allianz Stadium: Juventus – Sassuolo, Matteo Marchetti. Die Torschützen-Könige der letzten fünf Spieltage (Dybala, Berardi, Raspadori) treffen auf einen Unparteiischen, der erst zwei Mal auf Top-Four-Niveau gepfiffen hat – Druck kocht in Turin.

Sonntag, 12.30 Uhr: Como – Pisa, Luigi Pairetto. Der Sohn des Ex-Referees Pierluigi ist die neue Hoffnung des italienischen Schiedsrichternachwuchses. Seine Quote: 4,2 Gelbe pro Spiel, kein Platzverweis – noch.

15 Uhr: Bologna – Lazio, Daniele Feliciani aus Teramo. Mit 23 Strafstößen seit 2019 ist er der „Elfmeter-König“ der Serie A. Sarri schickte deshalb schon Videoanalysten ins Training – Ciro Immobile trainiert Seelenruhe.

18 Uhr: Roma – Lecce, Daniele Orsato. Mourinho mag ihn, weil er in seinen letzten drei Roma-Einsätzen keine Rote zückte. Die Curva Sud drohte trotzdem mit einem Spruchband: „Un arbitro al giorno toglie lo scudetto di tornata“ – ein Schiri am Tag nimmt der Meisterschaft die Rückkehr.

20.45 Uhr: Fiorentina – Inter, bereits erwähnt: Andrea Colombo. Die Quoten-Börsen sehen Inter bei 1,85 – die Kollegen aus Florenz sprechen vom „Fluch von Como“. Ein Sieg, so die Statistik, würde Inter auf Platz eins katapultieren – mit einem Spiel weniger.

Die stunde der wahrheit für berufsbilder

Die stunde der wahrheit für berufsbilder

Seit der Einführung des Video-Schiedsrichters sind die Referees keine Hauptdarsteller mehr, aber sie bleiben die Ventile für 20 Klub-Präsidenten, 500 Journalisten und fünf Millionen WhatsApp-Gruppen. Die Designationen der 30. Runde zeigen: Der Verband setzt auf Jugend, auf Risiko, auf Zahlen statt auf Namen. Das Ergebnis wird sich am Montag in den Titelseiten widerspiegeln – entweder als Meister-Coup oder als nächste Schiri-Affäre. In Italien ist das kein Bug, sondern ein Feature. Die Liga lebt davon, dass jeder Schritt jemandem schadet – und dass am Ende wieder alle zuschauen.