Runjaic zündet die kampfansage: solet zurück, genoa wartet

Kosta Runjaic schlägt mit der Faust aufs Pult. „Morgen wird es brennen“, sagt er, und man glaubt ihm jede Silbe. Der Kroate spricht von einer „glutheißen“ Partie in Genua, von einer Mannschaft, die zu Hause kaum noch Punkte liegen lässt, und von seiner eigenen Truppe, die „gemeinsam leiden und kämpfen“ muss, wenn sie vor der Länderspielpause noch einmal Zählbares mitnehmen will.

Die Worte sind kein Bluff. Nach dem 0:2 in Florenz droht Udinese, im Tabellenkeller stecken zu bleiben. Drei Tage später folgt das nächste Finale, und Runjaic weiß: Verliert seine Elf erneut, rückt der Abstiegsstrudel bedrohlich nah.

Solet springt ein, bertola könnte nachrücken

Die gute Nachricht kommt aus der Reha-Abteilung. Jaka Solet hat die Leistungsdiagnostik überstanden, seine Adduktoren reagieren nicht mehr mit Sticheleien. „Er ist startklar“, sagt Runjaic und lässt keinen Zweifel, dass der Franzose in der Dreierkette neben Lautaro Giannetti und Nehuén Pérez beginnen wird. Die schlechtere: Nicolò Zaniolo fehlt weiterhin – nicht verletzt, aber noch immer nicht vollständig integriert, seitdem der 3-4-1-2 auf 3-4-3 umgestellt wurde.

Die Personalie Thomas Bertola bleibt offen. Der 20-jährige Linksverteidiger trainierte gestern und heute teilweise mit der Mannschaft. „Er macht Fortschritte, wir werden bis zur Abschlusseinheit warten“, erklärt Runjaic. Risiko verboten – der Trainer will nicht erneut einen Langzeitpatienten erzeugen, bloß um eine Position zu füllen.

Systemwechsel als notlösung mit folgen

Systemwechsel als notlösung mit folgen

Warum das Umsteigen auf drei Stürmer trotzdem bleibt? Weil es funktionierte, solange die Automatismen stimmten. Mit Florian Thauvin, Lorenzo Lucca und Kingsley Ehizibue als freiem Oberstil legte Udinese in den letzten 270 Minuten sieben Torschüsse aus dem Strafraum mehr als zuvor. Die Kehrseite: Die Räume für die Halbräumer werden enger, Zaniolo bräuchte eigentlich das Zehner-Loch, das es nicht mehr gibt.

Runjaic aber redet sich frei: „Das System ist nicht das Problem, sondern die Umsetzung in den Zweikämpfen.“ Gemeint ist: Genua erlaubt wenig Spielfläche, die Friauler müssen früher pressen und gleichzeitig die zweite Welle abschirmen. Sonst zerlegt Mateo Retegui die Dreierkette mit Laufbahnen, die sich wie Kreissägen bewegen.

Genoa daheim: nur zwei gegentore seit november

Genoa daheim: nur zwei gegentore seit november

Die Statistik ist gnadenlos. Genua kassierte in den letzten fünf Heimspielen nur zweimal – beide Male stand Philippe Albert in der Startelf, der Coach wechselte auf Viererkette um. Gegen Udinese wird er wieder auf drei Innenverteidiger plus Wing-Backs zurückgreifen, weil Udinese außerhalb des eigenen Stadions nur drei Auswärtstore in 2025 erzielte. Die Botschaft: Wer nicht trifft, kann nicht gewinnen.

Runjaic spielt das runter. „Wir schauen nicht auf Tabellen, sondern auf Ballkreise“, sagt er und meint damit die Zonen, in denen seine Mannschaft in Ballbesitzzahlen über 55 % kommen muss. Gelingt das nicht, wird die Partie zur Geduldsprobe – und zur Geduldsprobe für seine Zukunft. Der Vertrag des 55-Jährigen läuft 2026 aus, doch schon jetzt brodelt die Rücktrittsdebatte, sollte der Klassenverbleib drohen.

Am Ende der Pressekonferenz fasst er sich an die Kehle. „Wir brauchen drei Punkte, nicht nur einen.“ Kein Pathos, nur knallharte Arithmetik. In Genua zählt ab 20.45 Uhr nur noch das Ergebnis – und ob Udinese endlich wieder nach vorne spielt, statt nur zu überleben.