Senegal verliert afrika-cup-titel: marokko wird nachträglich zum champion erklärt

Der Afrika-Cup 2025 bekomgt einen unrühmlichen Nachsatz: Der Confédération Africaine de Football (CAF) entzieht dem Senegal den Titel und erklärt Marokko zum Sieger. Das Finale, das mit Platzsturm und fliegenden Gegenständen endete, wird offiziell mit 3:0 für die Atlaslöwen gewertet.

Die Entscheidung fiel am Dienstagabend im karthagischen Hauptquartier der CAF, nachdem das Berufungsgericht die Akten drei Tage lang durchgesehen hatte. Artikel 84 der Wettbewerbsordnung – jene Klausel, die bei schwerwiegenden Ordnungsstörungen eine nachträgliche Wertung erlaubt – wurde zum Scharnier einer Geschichte, die das Kontinentalturnier längerfristig beschädigen könnte.

Chaos nach abpfiff war nur die spitze des eisbergs

Chaos nach abpfiff war nur die spitze des eisbergs

Was sich in der 93. Minute im Stadion von Bouaké abspielte, war keine spontane Emotion. Kameras hatten bereits in der 71. Minute eine Gruppe senegalesischer Fans erfasst, die die Absperrung zur Pressezone rammte. Sicherheitskräfte gingen dazwischen, verloren aber die Kontrolle, als der Ausgleich fiel. Nach dem Schlusspfiff flogen bengalische Feuer, ein Schiedsrichter-Assistent wurde leicht verletzt, und die Trophäenübergabe wurde abgebrochen.

Die CAF ließ daraufhin das Video- und Tonmaterial aller Fernsehbetreiber sichern. Interne Berichte sprechen von 47 Verstößen gegen das Sicherheitsprotokoll, darunter fehlende Trennstege zwischen Fanblöcken und fehlerhafte Ticketkontrollen. Die Zahl ist brisant: Bei einem ähnlichen Vorfall im Jahr 2019 hatte der Verband Algerien mit Geisterspielen und einer Geldstrafe von umgerechnet 180 000 Euro belegt. Diesmal schickte die Jury ein Signal, das über Geldstrafen hinausgeht.

Für den Senegal ist es der zweite herbe Rückschlag innerhalb von zwölf Monaten. Nach dem Triumph 2022 galt die Mannschaft als Inbegriff moderner Entwicklungshilfe im Fußball. Das Land hatte 60 Millionen Euro in neue Stadien und Trainingszentren gesteckt, um das Turnier 2025 auszurichten. Nun steht der Verband vor einem Imageschaden, der Sponsoren zögerlich werden lässt. Telekom-Sponsor Orange prüft laut Insidern die Aussetzung seiner Verträge.

Marokko hingegen darf sich über den ersten Afrika-Cup-Erfolg seit 1976 freuen – wenn auch unter schalem Beigeschmack. Trainer Walid Regragui hatte nach dem Finale betont, „den Pokal auf dem Platz“ gewonnen zu haben. Die nachträgliche Wertung bestätigt seine Wortwahl, verleiht der Leistung aber einen Beigeschmack der Ersatzbank. Die Spieler feierten am Dienstagabend erneut, diesmal in Rabat. Videos zeigen Captain Romain Saïss, der den Pokal in die Höhe stemmt – eine Szene, die ursprünglich nie stattfinden sollte.

Die CAF kündigte an, das Sicherheitsprozedere für 2027 komplett zu überarbeiten. Ob das reicht, um das Vertrauen der Fernsehpartner zurückzugewinnen, ist offen. Die Rechte für das nächste Turnier sind erst zu 68 Prozent verkauft, ein Drittel der europäischen Sender verhandelt noch. Der Verband steht unter Druck: Ohne klare Konsequenzen droht der Afrika-Cup, sich zum Randschauspiel zu entwickeln. Die Entscheidung von heute ist ein Schritt – aber nur einer auf einem langen Weg, der mit 3:0 begann und mit Fragen endet, die weit über das Spielfeld hinausreichen.