Seixas im tour-fokus: hinaults erbe in gefahr?

Der junge Paul Seixas sorgt in Frankreich für Hochspannung. Nach seinen beeindruckenden Leistungen bei der Itzulia und den Strade Bianche blickt das Land gespannt auf den 19-Jährigen – und fragt sich, ob er tatsächlich das Potenzial hat, Bernard Hinault abzulösen und den französischen Radsport wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Die frage aller fragen: ist seixas bereit für die grande boucle?

Die frage aller fragen: ist seixas bereit für die grande boucle?

Die Erwartungen an Seixas sind enorm. Nach seinem zweiten Platz bei den Strade Bianche, nur eine Minute hinter Tadej Pogacar, gilt er als einer der größten Talente im Peloton. Die Frage, die nun die Radsportwelt beschäftigt, ist, ob er bereits bereit ist für die Belastungen und den immensen Druck einer dreiwöchigen Grand Tour. Thierry Gouvenou, Sportdirektor bei der ASO und selbst ehemaliger Profi, äußerte sich im Podcast Bistrot Velo skeptisch: „Jeder seiner Starts ist außergewöhnlich, aber vielleicht kommt der Tour de France noch zu früh.“ Er erinnert an die extremen Anforderungen und die immense Verantwortung, die auf den Kapitän von Decathlon zukommen würden.

Seixas selbst scheint dem Trubel gelassen zu begegnen. „Ich bin schon lange im Fokus, das ist mir egal. Ich konzentriere mich aufs Fahren“, sagte er am Mittwoch. Doch die Wahrheit ist, dass 21 Tage im Kampf um die Gesamtführung eine ganz andere Dimension haben als die bisherigen Rennen. Florian Sénéchal von Alpecin-Premier Tech stimmt Gouvenou zu: „Er macht einen fantastischen Job, aber er muss erst seine Entwicklung vollenden. Eine Tour ist eine andere Nummer – wie wird sein Körper darauf reagieren?“

Das Erbe Hinaults lastet schwer auf den jungen französischen Schultern. Seit 1985 hat kein Franzose die Grande Boucle gewonnen. Bernard Hinault, der letzte französische Tour-Sieger, hatte vor vier Jahren prophezeit, er wolle sehen, wie ein Landsmann die Rundfahrt gewinnt. Ob Seixas dieser Mann sein kann, ist offen. Die Diskussion in Frankreich tobt. Während einige ihn bereits als den Retter des französischen Radsports sehen, mahnen andere zur Vorsicht. Eine frühzeitige Tour-Teilnahme könnte seine Entwicklung gefährden. Vielleicht wäre die Vuelta a España, bei der er Etappen gewinnen und sogar die Gesamtwertung in Angriff nehmen könnte, der bessere nächste Schritt.

Die kommenden Rennen, die Flèche Wallonne und Liège-Bastogne-Liège, werdenzeigen, wie Seixas mit dem Druck umgehen kann und ob er tatsächlich das Potenzial besitzt, in den Fußstapfen von Hinault zu treten. Denn eines ist klar: Frankreich braucht einen neuen Helden, und Paul Seixas scheint der vielversprechendste Kandidat zu sein.