Sebastian korda schlägt alcaraz: glaube, netz und ein stammbaum voller trophäen
Ein Bibelvers vor dem Match, ein Sieg gegen die Nummer eins, eine Familie, in der Sport kein Job, sondern Muttersprache ist – Sebastian Korda hat in Miami nicht nur Carlos Alcaraz ausgeschaltet, er hat dem Tennis wieder einmal die Kraft des Glaubens vorgeführt.
Die Pointe des Tages: Korda spielte sich selbst nicht in den Wahnsinn, sondern in die Normalität. Kein Risiko-Exzess, keine Show, nur klare Linien, frühes Netz und ein Aufschlag, der wie ein Schlüssel ins Schloss fiel. Sein neuer Coach Ryan Harrison hatte ihm eingetrichtert: „Geh ans Netz, aber geh mit Plan.“ Der Plan ging auf. Alcaraz traf den Ball, nicht den Moment.
Der stammbaum trägt schläger statt blätter
Petr Korda, Vater, Australian-Olymp-Sieger, einst Rang zwei der Welt, saß in der Ecke und hielt die Hände auf dem Kopf – dieselbe Geste wie 1996, als er Sampras schlug. Nelly Korda, Schwester, Golf-Olympiasiegerin von Tokio. Jessica, ebenfalls auf der LPGA-Tour. Ivana Nedved, Verlobte, Tochter von Ballon-d’Or-Gewinner Pavel. Der Schwiegervater in spe weiß, wie man mit dem Fuß Geschichte schreibt, die zukünftige Schwägerin, wie man mit dem Schwung parabelt. Sebastian musste nur noch lernen, mit dem Racket zu zeichnen.
Als Kind träumte er vom Eis, nicht von der Sandbank. Mit drei Jahren Hockey-Schläger, mit neun Jahren Us-Open-Tribüne, Djokovic gegen Stépanek. Dort, im Arthur-Ashe-Stadion, klickte es. Danach kein Plan B. Katze namens Rafa. Roland-Garros-Debüt 2020 gegen eben jenen Nadal – 0:3-Satz, aber ein Autogramm auf dem Trikot: „Für meinen Freund Sebastian.“

Washington 2024: vater und sohn, getrennt durch 29 jahre, vereint im selben pokal
Im August zuvor hatte Korda Washington gewonnen – dasselbe Turnier, das Petr 1992 für sich entschied. Erstmals in der ATP-Geschichte tragen nun zwei Generationen denselben Namen auf derselben Trophäe. Die Zahl, die niemand erwartete: Sebastian ist 24, sein Vater 55 – und der Abstand zwischen den Siegen exakt 9.570 Tage.
Gegen Alcaraz lag er im dritten Satz 2:4 zurück, schaffte den Break, stellte auf 5:4, schlug dann ein As, das wie ein Schnitt durch Miami ging. Matchball: Alcaraz jagt einen Lob, Korda sprintt, streckt die Racketspitze, der Ball küsst die Linie – Punkt, Platz, Paradies. 7:6, 6:3, 7:5.
Die Arena tobte, Alcaraz schüttelte den Kopf. Korda? Er schritt zur Netzkante, sah in die Kamera und sprach den Satz, den er morgens gelesen hatte: „Alles ist möglich für den, der glaubt.“ Kein Showgehabe, nur ein Lächeln, als hätte er das Ende eines Buches erreicht, das sein Vater vor 29 Jahren aufgeschlagen hatte. Die Geschichte schreibt weiter – und der nächste Kapitelüberschrift steht schon im Draw.
