Kölner haie jagen den titel: playoff-start mit sonderregel und 16-serie im rücken
Die Haie kommen. Und sie kommen auswärts. Am Dienstagabend rollt in Ingolstadt der Puck zum Viertelfinale-Auftakt, doch selbst dort wissen alle: Der Favorit sitzt im ICE nach Köln. 16 Siege nacheinander, 20 aus 21 Spielen – das war keine Serie, das war eine Ansage. Jetzt steht die 105. deutsche Meisterschaft an, und niemand redet mehr von „einem Kandidaten“. Die Rede ist nur noch von Janne Juvonen, vom besten Powerplay der Liga und von der Angst der Gegner, sich mit den Kölnern in die eigene Zone verirren zu müssen.
Warum köln trotz heimrecht zuerst auswärts spielt
Die Lanxess Arena ist ein Terminkalender-Monster. Konzerte, Tennis-Events, Show-Eishockey – alles bucht sich quer durch den Mai. Die Liga stellte sich deshalb auf die Haie ein: Start mit zwei Auswärtsspielen, dann Heimspiel-Rechte im Wechsel. Spielt die Serie bis zum bitteren Ende, bekommt Köln die entscheidenden Partien sechs und sieben vor eigenem Publikum. Die Gegner nennen das „Kölner Klausel“, die Haie nennen es schlicht Planungssicherheit. Fakt ist: Wer im Viertelfinale nach sieben Spielen steht, hat vermutlich schon die halbe Meisterschaft gewonnen.
Die Gegnerliste liest sich wie ein Who-is-Who der Verbissenheit. Eisbären Berlin qualifizierten sich auf dem letzten Atemzug, doch unter Serge Aubin verlor Berlin in drei Playoff-Jahren noch keine einzige Serie. Adler Mannheim lieferten die stabilsten 60 Minuten der Hauptrunde ab, nur 139 Gegentore – ein Spitzenwert. Straubing war seit der Olympia-Pause das zweitbeste Team, München beschleunigte nach Weihnachten wie ein Red-Bull-Flugzeug. Und dann ist da noch Schwenningen, Neunter der Hauptrunde, 1904 gegründet, seit 34 Jahren ohne Playoff-Halbfinale. Für die Wild Wings ist schon das Erreichen der Runde der letzten Acht ein Triumph – gegen Köln zählt jeder Tag Extrazeit.

Die zahlen, die den gegnern kalte füße machen
Köln erzielte 224 Tore – 34 mehr als der Liga-Durchschnitt. Das Powerplay lief bei 28,4 Prozent, ein Wert, den zuletzt 2013 die Münchener hatten. Juvonen hält 93,3 Prozent der Schüsse, kassierte im Schnitt 2,05 Tore pro Spiel und schlug 34-Mal zu Null. Patrick Russell und Gregor MacLeod kombinierten auf 113 Punkte, mehr als jedes gesamte Sturmduo der Liga. Trainer Kari Jalonen wurde kurz vor den Playoffs zum Coach des Jahres gekürt – die Scouting-Abteilung der Konkurrenz spricht intern schon vom „Jalonen-Effekt“, weil seine Aufstellungen selbst nach Videostudien noch Überraschungen enthalten.
Die Außenseiter-Chance heißt Joacim Eriksson. Der schwedische Schlussmann der Wild Wings war in den vergangenen fünf Jahren unter den Top-3 der Fangquoten. Gegen Wolfsburg rettete er Schwenningen in die Verlängerung, dann den Klassenerhalt. Wenn er in Köln erneut 50 Schüsse pariert, wird sogar die Lanxess Arena leiser werden – zumindest für ein paar Sekunden. Die Frage bleibt: Reicht das, um eine 16-Serie zu stoppen? Die Antwort lautet: Erst recht, wenn man bedenkt, dass das längste Playoff-Spiel der Geschichte 2008 zwischen genau diesen beiden Teams fiel – 168 Minuten und 16 Sekunden, 5:4, Köln gewann. Die Uhr beginnt erneut zu ticken. Tick, tick – Haie.
