Scheiblehner bricht sein schweigen: „ich holte ihn – er beerbt mich“

Gerald Scheiblehner sitzt im Sky-Studio, die Stimme rauer als sonst. Sieben Tage nach seiner Ablösung beim Grasshopper Club Zürich spricht der 49-Jährige erstmals über den Rauswurf – und liefert dabei einen Satz, der in den Vereinsgängen nachhallen wird: „Es ist natürlich nicht angenehm, wenn du einen holst und der löst dich dann ab.“

Der mann, den er selbst holte, sitzt nun auf seiner bank

Gernot Messner, noch im November von Scheiblehner als Co-Trainer verpflichtet, übernahm nach der 0:3-Pleite gegen Yverdon das Kommando. Ein Wechsel, der selbst in der skurrilen Traditionskiste des GC noch ein Novum ist. Scheiblehner lacht nicht, als er das sagt. Er nickt nur, als wolle er sich selbst bestätigen, dass er die Ironie nicht erfunden hat.

Sein Kommentar zum Debüt Messners: trocken, beißend. „Alain Sutter wollte einen Impuls setzen mit einem anderen Österreicher – das ist ja hervorragend gelungen, wie man im ersten Spiel gesehen hat.“ Die Anspielung auf die 1:2-Niederlage gegen St. Gallen liegt wie ein Nebel über dem Gespräch. Scheiblehner weiß: Dieser Satz wird ihm folgen, egal wohin er als Nächstes geht.

Die trennung kam abrupt – trotz öffentlicher rückendeckung

Die trennung kam abrupt – trotz öffentlicher rückendeckung

Noch vor Wochen hatte Sportchef Sutter den Coach als „identitätsstiftend“ gelobt. Dann die Kehrtwende: eine Niederlage, ein Telefonat, ein neuer Mann. Für viele Fans war der Schnitt unverständlich. Scheiblehner selbst zeigt sich in Sky Austria „nicht überrascht, aber betroffen“. Er habe die Dynamik gespürt, die Ergebnisspirale, den Druck aus dem Vorstand. Trotzdem: „Es war keine 5-Uhr-Situation. Ich dachte, wir bekommen das gemeinsam gerade.“

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: nur zwei Siege aus den letzten elf Partien, Abstiegszone, 14 Gegentore in drei Spielen. Die Statistik ist gnadenlos, sie lässt sich nicht mit Emotionen überspielen. Scheiblehner weiß das. Er sagt es auch. „Ich habe Fehler gemacht. Zu offensiv, zu wenig Absicherung. Das war mein Lernfeld.“

Pause statt panik – und ein blick zurück auf zürich

Pause statt panik – und ein blick zurück auf zürich

Was folgt, ist keine Klage, kein Rundumschlag. Scheiblehner spricht von der „Intensität“ in der Super League, von der „Dichte an Qualität“, die ihn überrascht habe. Und er spricht von der Stadt, die ihn für ein halbes Jahr adoptiert hatte. „Ich habe es sehr genossen in der Schweiz, es war eine tolle Erfahrung für mich.“ Keine Abschiedstränen, aber ein Nachgeschmack, der bleibt.

Die nächsten Wochen werden ruhig. Kein Training, keine Pressekonferenz, keine Fragen nach der Systemfrage. Er will „runterfahren“, sagt er, „die Batterie laden“. Dann wird er wieder aufstehen. Trainer sein ist keine Saisonarbeit, es ist ein Dauerzustand. Und Scheiblehner ist erst 49.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die er nicht laut ausspricht, die aber zwischen den Zeilen steht: Im Fußball wird nicht nur gekickt, sondern auch gezahlt. Und manchmal zahlt man mit der eigenen Geschichte. Gerald Scheiblehner wird sie neu schreiben – nur nicht in Zürich.