Schalke rutscht in der nachspielzeit auf 2:2 – muslic platzt der kragen

Die Arena war schon am Feiern, da flog ihr die zwei Punkte noch aus der Tasche. Schalke führte gegen Hannover mit 2:0, spielte selbst nach Dzekos Platzverweis mutig weiter – und kassierte in der 98. Minute das 2:2. Kenan Karaman schlug sich nach dem Abpfiff die Hände über dem Kopf zusammen, Keeper Loris Karius starrte leer in die Nacht. Die Szene, die alles zerriß, dauerte keine drei Sekunden: Flanke von links, Karius verpasst, Benedikt Pichler nickt ein.

Die rote karte, die keiner der beteiligten wollte

Robin Braun zückte Rot in der 52. Minute, weil Edin Dzeko mit offener Sohle Husseyn Chakroun am Oberbauch traf. Keiner der Hannoveraner reklamierte, doch der Videoassistent blieb stumm – die Entscheidung stand. Miron Muslic tobte: „Da fehlt Fingerspitzengefühl. Keine Absicht, kein Foulspiel, nur ein unglückliches Zusammenprallen.“ Für Schalke brach die Welt zusammen, Hannover wechselte dreimal offensiv und schöpfte Hoffnung aus dem Luftloch.

Karaman, der zwischen Torvorbereitung und Treffer die beste Partie seiner Knappen-Zeit spielte, versuchte, fair zu bleiben: „Gelb wäre okay gewesen. Rot ändert das Spiel komplett.“ Die Zahlen sprechen für ihn: Vor dem Platzverweis lag Schalke bei 1,8 erwarteten Toren, danach bei 0,3. Hannover schoss in der zweiten Hälfte erst in der 71. Minute aufs Tor – und traf trotzdem zweimal.

Karius zieht die reißleine – und reißt sich selbst mit

Karius zieht die reißleine – und reißt sich selbst mit

Der Keeper, sonst Selbstbewußtsein in Person, ging bei der letzten Ecke zu früh, zu hektisch, zu stur. „Ich will die Flanke fangen, bin einen Schritt zu weit vor, dann kippt die Welt“, sagte er mit heiserer Stimme. Die Bilder zeigen, wie er sich hinterher auf dem Rasen vergraben würde, wenn das Regelwerk es erlaubte. Die Fehlentscheidung kostet zwei Punkte – und vielleicht auch die Meisterschaft, denn am Samstag gastiert Schalke beim Spitzenreiter Darmstadt.

Die Tabelle lügt nicht: Schalke steht bei 61 Punkten, Darmstadt bei 63. Ein Sieg würde die Knappen an die Spitze katapultieren, eine Niederlage sie bis auf drei Zähler zurückwerfen. Muslic atmete tief: „Wir haben heute Hannover überrollt, dominiert, erdrückt. Und trotzdem stehen wir hier mit leeren Händen. Das ist brutal auf so eine Weise.“

Die Fans sangen noch vor dem Ausgleich „Wir sind zurück“, nun schleicht sich Zweifel ein. Die letzte Minute lehrte die alte Lektion: Fußball ist kein faires Spiel, sondern ein Sport, in dem eine einzige Sohle, eine einzige Fehlentscheidung, eine einzige Flanke ganze Saisonträume zerreißen kann. Schalke muß aufstehen – und darf sich keinen weiteren Ausrutscher leisten.