Schalke ringt bielefeld nieder – dzeko schießt trotz rückenblessur zum sieg
Die Veltins-Arena bebte nicht wegen eines Traumtors, sondern wegen einer Grätsche. Minute 21: Moussa Ndiaye wirft sich vor Benjamin Boakye, 23 000 Zähne klappern, die Südkreischt. Es ist der Moment, der das Spiel erklärt: Schalke schlägt Arminia Bielefeld 1:0, und die einzige Statistik, die zählt, steht auf der Anzeigetafel: 120 Kilometer Laufleistung – in 45 Minuten.
Muscles statt märchen: so brutal bewahrte s04 die tabellenführung
Trainer Miron Muslic redet danach nicht von Fußballkunst, sondern von „Kampf statt Picknick“. Sein Körper zuckt, als würde er selber noch in jedem Zweikampf stecken. „Wir haben Bielefeld physisch überrollt, das ist unser Markenzeichen“, sagt er mit jenem Akzent, der zwischen Zagreb und Gelsenkirchen pendelt. Die Nummer 120 hat er parat wie andere Trainer Ballbesitzquoten zitieren.
Die Szene des Abends aber ist keine Torschuss-Sequenz, sondern eine Behandlungspause. Edin Dzeko, 39, liegt nach seinem ersten Zweikampf am Boden, packt sich den Rücken, rollt sich dreimal durch den Kreis, steht trotzdem auf. Muslic: „Er blutet für uns, buchstäblich.“ Vier Minuten später nimmt Dzeko einen Abpraller, schiebt ein, schreit – und humpelt sofort weiter. Applaus tost, lauter als für manches Kunsttor dieser Saison.

Ausgerechnet der ersatz-stürmer liefert die antwort auf die frage: was macht schalke gefährlich?
Es ist nicht das 4-2-3-1, nicht die halb-automatisierte Anlaufstafel, es ist der Geruch von Eispray und Rasenkleber. „Wir sind die einzige Mannschaft, die in jedem Spiel mindestens fünf Mann mit Schmerztabletten runterschluckt“, sagt ein Physio abseits des Mikrofons. Die Zahlen liegen ihm: 47 Fouls insgesamt, 27 gewonnene Kopfbälle, 17 gefährliche Zweikämpfe – alles Saisonbestwerte.
Dabei hätte das 1:0 beinahe nicht gereicht. Joel Grodowski staubt in Minute 78 zum vermeintlichen Ausgleich ab, doch die Fahne schnellt nach oben. Abseits – um einen Schuhspitze. Die Kurve atmet erst aus, als Schiri Martin Petersen den Videobeweis bestätigt. „Wir haben das nötige Glück“, gibt Muslic zu, „aber Glück folgt der Arbeit – und wir laufen doppelt so viel wie die Konkurrenz.“

Die botschaft an die liga: wer nach der führung kommt, mordet sich durch 90 minuten
Die Tabelle lügt selten, aber sie verrät nicht, wie sehr sich jeder Gegner auf Schalke einstellt. Bielefeld-Coach Uwe Koschinat hatte vor der Partie Videoanalysen bis 3:30 Uhr geschaut, dennoch seine Mannschaft in der ersten halben Stunde zwei Großchancen. Danach brach der Deckungsplan wie ein überlastetes Regal zusammen. „Sie zerren an dir, bis du denkst, du spielst gegen zwölf Mann“, sagt Koschinat mit zersprungenen Stimmbändern.
Für Schalke geht es am Freitag nach Kiel. Dort wartet ein Holstein-Team, das sich auf 80 Prozent Ballbesitz einstellt. Muslic lacht trocken: „Dann laufen wir eben 130 Kilometer.“ Der Blick fällt auf Dzeko, der sich gerade ein Eispack zwischen die Rippen klemmt. Fragt man ihn, ob er schmerzfrei sei, antwortet er mit einem Satz, der länger nachhallt als jedes Fan-Gedicht: „Wenn du für Schalke spielst, zählst du nicht die Schmerzen, sondern die Punkte.“ Fünf Siege in Folge, die Serie lebt – und mit ihr die Erkenntnis: In Gelsenkirchen wird Führung nicht gespielt, sondern erarbeitet, Meter für Meter, Zweikampf für Zweikampf.
