Scaloni wirft den unterschied ein: messi muss nur noch spielen, nicht mehr gewinnen
Lionel Scaloni trat vor die Mikrofone und zerlegte in fünf Sätzen die Last, die seit 1986 auf Argentinien lastete. „Der Pokal ist sicher. Jetzt geht’s nur noch um den Genuss“, sagte der Nationaltrainer – und schickte damit eine Kampfansage an alle, die Messi zum fünften Mal in Katar erklärt hatten.
Ein satz, der alles umkrempelt
„Lo importante es que disfrute“, wiederholte Scaloni wie ein Mantra. Dahinter steckt kein PR-Spruch, sondern die Erkenntnis, dass der 36-Jährige endlich das Luxusproblem hat, Turnierluft schnuppern zu dürfen, ohne dass eine Nation sein Nacken trägt. Die Zahle sprechen für sich: seit dem 18. Dezember schläft Argentinien mit drei Sternen ein – und wacht mit dem Bewusstsein auf, dass der vierte nicht zwingend an Messi hängt.
Scaloni selbst war 2006 dabei, als Trainer-Kollege Pekerman ihn zu Hause ließ. „Ich habe nur ein WM-Trikot angezogen, aber ich weiß noch, wie der Flur im Keller roch“, erzählt er. Diese Erinnerung schwingt mit, wenn er heute sagt: „Wenn du aufhörst, sind nur noch Bilder. Ein ganzer Planet will ihn also noch einmal sehen – nicht, weil er muss, sondern weil er kann.“

Minute management statt messi-metaphysik
Gegen Sambia wird Rotation angesagt. Scaloni will 180 Minuten verteilen, um vor der Copa América 2024 jedem Spieler eine Visitenkarte zu geben. Dabei bleibt der Kader offen. „Wenn er kommen will, ist Platz. Wenn nicht, haben wir trotzdem schon Geschichte geschrieben“, erklärt der Coach. Die Phrase „letzte WM“ kommt ihm nicht über die Lippen – zu sehr hasst er das Wort „Ende“.
Die Botschaft ist klar: Argentinien ist kein One-Man-Show mehr. Mit Enzo, Lautaro und Julian Alvarez haben die Albiceleste einen Kern, der auch ohne den Rosarino Siege einschreibt. Messi verwandelt sich dadurch von Protagonist zumPrivilegierten – ein Novum in einer Karriere, die bislang nur Druck kannte.
Scaloni schließt mit einem Satz, der lang nachhallt: „Wir haben nichts mehr zu beweisen, nur noch zu feiern.“ Für Messi bedeutet das: Er darf auflaufen, ohne dass eine Nation sein Rückgrat bricht. Und für den Rest der Welt heißt es: Zuschauen, solange der Kleine noch einmal den Ball am Fuß trägt – ohne Schuldzuweisung, mit purem Vergnügen.
