Sassuolo und bologna liefern sich ein europa-league-duell auf messers schneide

Am Sonntag um 15 Uhr im Mapei Stadium geht es für Sassuolo und Bologna nicht nur um drei Punkte, sondern um den letzten Atemzug eines Europa-Traums. Beide Klubs trennen nur ein Zähler, beide haben in den letzten fünf Spielen exakt neun Punkte geholt – und beide wissen: Verlieren ist keine Option mehr.

Ein punktgewinn reicht nicht, um die lücke zu den internationalen plätzen zu schließen

Die Tabelle lügt nicht. Bologna steht bei 39 Punkten, Sassuolo bei 38. Die Rückkehr in den europäischen Wettbewerb, nach der enttäuschenden Vorrunde der Rossoblu in der Europa League, wirkt wie ein Spiegelbild in der Ferne. Sechster Platz? Derzeit sechs Zähler entfernt. Die Mathematik ist gnadenlos. Aber die Emotionen sind es auch.

Fabio Grosso hat nach der 0:2-Niederlage gegen Atalanta die Kabine zusammengeschrien – nicht aus Wut, sondern aus Verzweiflung. „Wir haben die zweite Saisonhälfte verschlafen“, sagte er nach dem Spiel, „aber gegen Bologna wird gewechselt, nicht gewecht.“ Die Statistik gibt ihm recht: Sassuolo hat die letzten drei Heimspiele nicht verloren, Bologna kassierte in den letzten vier Auswärtsspielen zwölf Gegentore.

Die personalien entscheiden über kreativität und kompaktheit

Die personalien entscheiden über kreativität und kompaktheit

Die größte Unbekannte heißt Jonathan Rowe. Der Engländer feierte gegen Sassuolo im Dezember sein Debüt, jetzt ist er die Hoffnungsträger Nummer eins. Auf der Gegenseite flüstert man über Alieu Fadera, der nach seiner Einwechslung gegen Juve in der 78. Minute fast das 2:1 erzielt hätte. Kleinigkeiten, die Spiele drehen können.

Die Wettanbieter sehen Sassuolo als minimalen Favoriten (2,53), das Unentschieden bei 3,30. Doch die echten Experten schauen nicht auf Quoten, sondern auf Laufdaten: Bolognas PPDA-Wert (Passes allowed per defensive action) liegt bei 9,2 – einer der schlechtesten Werte der Liga. Wer hinten offen steht, wird bestraft. Und Sassuolo? Die haben in dieser Saison bereits 14 Tore nach Standardsituationen kassiert, die meisten der Liga.

Die Fans fragen sich: Wer trifft zuerst? Orsolini, Castro, Nzola, Pinamonti, Berardi – alle bei 3,50. Die Antwort wird wohl den Unterschied zwischen Saisonende und Saisonaufschub bedeuten. Denn ein Sieg würde nicht nur die Tabellenkante rütteln, sondern auch die Köpfe. Bologna könnte mit einem Sprung auf Rang sieben die Europa-League-Hoffnung wieder entfachen, Sassuolo mit einem Heimsieg das Momentum für die letzten neun Spieltage übernehmen.

Kurz vor Schluss der Pressekonferenz sagte Grosso noch: „Wir spielen nicht gegen Bologna, wir spielen gegen uns selbst.“ Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Anspruch und Realität. Am Sonntag wird sich zeigen, wer die Nerven behält – und wer am Ende doch nur die Statistik bedient. Die Uhr tickt. Der Countdown läuft. Und die Kurve im Mapei Stadium wird entscheiden, ob der Traum Europa ein letztes Mal auflebt oder endgültig erlischt.