Sarri nach dem lazio-double-schock: „wir haben uns ans leere stadion gewöhnt“
Rom – Ein Aufschrei, dann abrupte Stille. Die Lazio-Anhänger im Olimpico erlebten ein Déjà-vu aus Albträumen: zweimal Führung, zweimal Antwort Atalanta. Maurizio Sarri stand am Rand des Rasens, die Arme verschränkt, als hätte er die zwei Schläge ins Mark schon vorher gespürt.
Sarri erklärt, warum taylor draußen blieb
„Dele-Bashiru beschleunigt mit dem ersten Kontakt, Taylor ist ein Ballkünstler ohne dieselbe Durchschlagskraft“, sagte der Coach nach dem 2:2. Die Entscheidung war kein Gefallen, sondern eine Notoperation. Denn die Lazio-Startelf fehlte schon wieder sechs Stammkräfte – ein halbes Jahr lang.
Die Statistik liest sich wie ein Verletzungsbarometer: 23 Spieltage, 18 Wechsel, 13 Punktverluste nach Führung. Sarri schlägt sich mit der Frage herum, ob seine Mannschaft mental oder personell an ihre Grenzen stößt. „Die Tabelle spiegelt eine Saison wider, in der wir nie mit dem vollen Kader arbeiten konnten“, erklärt er, ohne jammern zu wollen. Klingt trotzdem wie ein Schuldvorwurf an die medizinische Abteilung.

„Wir sind leer geworden, bevor das stadion leer war“
Was ihn am meisten wurmt, ist die Leere. Die Ränge sind halb voll, weil die Kurve gegen die Geschäftsführung protestiert. Die Mannschaft bekommt es mit, die Spieler kloppen sich trotzdem, aber die Energie verpufft. Sarri: „Die Jungs gewöhnen sich daran, es ist traurig, aber Realität.“ Ein Satz, der in Roms Kneipen bis tief in die Nacht diskutiert wird.
Die Atalanta-Pläne für das Rückspiel in Bergamo liegen schon auf seinem Schreibtisch: englische Woche, 48 Stunden Erholung, dann erneut gegen dieselben Gegner. „Mit einem Tor Vorsprung würden wir dort genauso leiden“, weiß er. Die Aussicht auf ein Viertelfinale in der Europa League hängt davon ab, ob seine verbliebenen Stürmer endlich wieder abschließen wie im letzten Herbst.
Am Ende bleibt die nüchterne Erkenntnis: Lazio hat eine Competenza entwickelt, aber keine Continuità. Sarri fordert „eine Batterie von Torjägern“, die den Schmuddelfall gegen Bergamo verhindert. Kein Pathos, nur Mathematik. Denn wer zweimal vorne liegt und nicht gewinnt, muss sich nicht wundern, wenn die Saison vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat.
