Sarpei packt aus: so war das training mit raúl im schalker pokal-kader
„Krank und crazy“ nennt Hans Sarpei das, was vor 15 Jahren in Gelsenkirchen passierte. Der heute 49-Jährige war Teil des Schalker DFB-Pokal-Siegers von 2011, gemeinsam mit Raúl, Klaas-Jan Huntelaar und Manuel Neuer. Im Olympiastadion zerlegte die Mannschaft den MSV Duisburg 5:0, Sarpei stand über die volle Distanz auf dem Rasen. Doch das Finale war nur das Sahnehäubchen.
„Dann war das Champions-League-Halbfinale, du stehst da mit denen auf dem Platz“, sagt Sarpei im Podcast Sport1 Deep Dive. „Das ist so was, wo du dich dann selber manchmal kneifst.“ Er habe sich Jahre später erst bewusst gemacht, „wie groß diese Spieler waren, mit denen ich gespielt habe“. Jugendliche würden ihn heute fragen, ob er wirklich mit Raúl kicken durfte – „da checke ich erst, dass das nicht normal war“.
Raúl trainierte, als sei er ein zweitliga-außenseiter
Der Spanier, 2010 aus Madrid gekommen, habe keine einzige Star-Allüre gezeigt. „Der war im Training ganz normal, er hatte keine Starallüren“, schwärmt Sarpei. „Wie professionell er war, wie viel Gas der gegeben hat.“ Für Nachwuchskicker sei das eine Lektion: „Einfach Gas geben, damit er ready ist für jedes Spiel.“
Auch mit Jefferson Farfán verband Sarpei eine sofortige Chemie. „Du sagst: ‚Hier nimm den Ball. Ich deck für dich hinten ab‘“, erinnert sich Sarpei. „Er war ein brutaler Spieler und ein guter Mensch.“ Die Kombination aus peruanischem Tempo und Sarpeis Defensivarbeit entzauberte in der Saison 2010/11 so manche Abwehr.

Pokal-triumph trotz halbfinale-klatsche
Zwar schied Schalke in der Champions League mit 1:6 und 0:4 gegen Manchester United aus, doch das Halbfinale bleibt bis heute größter Erfolg der Klubhistorie. Sarpei selbst beendete 2012 mit 36 Jahren seine Karriere – als Pokalsieger, der sich immer noch wundert, dass sein Name auf derselben Titelliste steht wie jene von Raúl und Huntelaar.
„Wenn du sagst: ‚Da war Huntelaar, da war Raúl, da war dies und da dies‘, dann denke ich: ‚Und dann war da Hans Sarpei, der hat mit denen gespielt‘. Das ist krank“, lacht er. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Selbstironie und Stolz, die den Pokal von 2011 in Erinnerung bleiben lässt – nicht nur für die Stars, sondern auch für den Außenverteidiger, der einmal mit ihnen auf dem größten deischen Fußballboden stand.
