Bosnier verwandeln balkon-tribünen: fifa-strafe macht zenica zur fußball-geisterbahn
9.000 statt 15.600 – wegen einer FIFA-Sanktion wird das Bilino-Polje-Stadion in Zenica zur Mini-Arena. Die Bosnier lassen sich nicht beirren: Mieter und Hausbesitzer vermieten Balkons, Dachterrassen und Wohnzimmer mit Stadionblick. Ergebnis: eine improvisierte 360-Grad-Tribüne, die den Ort in eine Fußball-Kessel verwandelt.

Notlösung wird zur visitenkarte
Die Sperre traf die FA BiH wegen rassistischer Gesänge im Oktober. Statt zu jammern, organisieren die Fans neue Plätze. Preise pro Kopf: umgerechnet 30-70 Euro für 90 Minuten, Getränke und regionale Cevapcici inklusive. Airbnb-Einträge mit Schlagzeilen wie „Front-Row für die WM-Qualifikation“ verzeichnen 300-prozentige Klickzahlen.
Die Zahlen sprechen für sich: Zenica hat 110.000 Einwohner, 4.500 Wohnungen haben Sicht auf den Rasen. Davon sind laut lokaler Makler 1.200 bereits vermietet oder verkauft – für einen Abend. Die Stadtverwaltung schaltete extra mobile Toiletten und Sicherheitskräfte, um das Chaos zu begrenzen.
Edin Dzeko und Co. haben hier bereits zehn von 13 Heimspielen gewonnen. Die letzte Niederlage datiert auf November 2019, als Italien mit 3:0 triumphierte. Seither gilt die Arena als Festung. Jetzt hofft die Elf, dass auch die Balkon-Chöre die Gegner erschrecken.
Der Bosnische Verband droht ein zweites Verfahren, sollten sich Fans auf den Hausdächern wieder Fehlverhalten leisten. Doch bis dahin zählt nur eins: Lärm, Leidenschaft und eine Nation, die sich selbst übertönt.
Abpfiff in Zenica – dann steht fest, ob die Balkon-WM-Taktik aufgeht oder ob die FIFA den Vorhang für immer zuknallt.
