Santiago garcía: wie ein uruguayischer sturmriese in mendoza das zeitliche segnete

Am 27. Februar 2021 schockt eine WhatsApp-Gruppe Argentiniens Fußball-Provinz Mendoza: Santiago „El Morro“ García, 30 Jahre, 1,88 m, 92 Kilo, ertränkt seine inneren Dämonen in einem stillen Hotelzimmer. Kein Abschiedsbrief. Keine Erklärung. Nur das leere Trikot von Godoy Cruz, das an der Garderobe baumelt.

Von montevideos straßen bis zur copa libertadores: eine karriere voller wucht und risse

García wuchs in La Blanqueada auf, einem Arbeiterviertel, in dem schon Enzo Francescoli seine ersten Dribblings zeigte. Doch statt eleganter Tänzer war El Morro ein Bulldozer: Mit 14 Jahren riss er Aluminium-Tore aus dem Beton, mit 16 schoss er Nacional zum Jugend-Titel und mit 19 zog er nach Brasilien, wo Internacional Porto Alegre 2,3 Millionen Euro auf den Tisch legte.

Die Série A liebte seine Grätschen, die brasilianische Presse seine Tore gegen Corinthians und Flamengo. Doch hinter den Kulissen ratterte schon die nächste Eskalation: Nachtclubs, Schnaps, Drogenkontrollen. Im Frühjahr 2015 flog er nach einem nächtlichen Autounfall raus. „Er trägt ein Vulkan im Körper“, sagte damals Trainer Dunga. „Wenn der ausbricht, zerstört er sich selbst.“

Godoy cruz: das letzte kapitel in 3.200 metern höhe

Godoy cruz: das letzte kapitel in 3.200 metern höhe

Mendoza liegt in den Anden, 1.200 Kilometer westlich von Buenos Aires. Hier sollte García wieder auftanken. 2019 unterschrieb er ein Zweijahres-Darlehen, stürmte 13 Tore in 29 Spielen und schoss die „Tomba“ auf Platz drei der Superliga. Die Fans sangen „El Morro, El Morro“, doch in der Kabine wurde er immer leiser.

Die Pandemie sperrte Argentinien zu. García saß allein in einer Wohnung voller Pokale, ohne Familie, ohne Spanisch-Kenntnisse, ohne Instagram-Filter mehr. „Ich habe keine Energie mehr“, schrieb er einem Freund. „Die Stimmen in meinem Kopf werden lauter als die im Estadio.“

Kein notruf, nur ein kaltes zimmer

Kein notruf, nur ein kaltes zimmer

Am 26. Februar 2021 meldete sich Godoy Cruz beim Trainer: García erscheint nicht zum Training. Am nächsten Tag findet der Hausmeister die Tür auf Sperrung. Die Justizberichte nennen es „suicidio“, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 30 Jahre, null Psychotherapie, null Vereins-Seelsorge, null Präventionsprogramm in der Superliga.

Sein letztes Instagram-Video zeigt ihn beim Krafttraining, dazu der Kommentar: „Volveré más fuerte“ (Ich komme stärker zurück). Die 1.847 Kommentare darunter sind heute noch online – ein digitales Grab voller Fußball-Emojis und Fragezeichen.

Nachruf ohne antwort

Nachruf ohne antwort

Godoy Cruz trägt seit dem Spiel gegen Boca Juniors ein schwarzes Armband. Die Liga Argentiniens richtete eine Hotline ein – drei Jahre zu spät. In Montevideo bauen Freunde ein kleines Mural: García mit offenem Mund, als würde er immer noch „Gooool“ schreien.

Die Statistik verrät: 146 Profi-Tore, 37 Gelbe Karten, 3 Rote, 1 Leben, das in einem Hotelbett endete, das niemand rechtzeitig betrat. El Morro ist nicht der erste, der den Rasen verlässt, ohne das Spielfeld je wirklich zu verlassen. Er ist nur der, den wir diesmal gesehen haben.