Saelemaekers bricht das schweigen: 'mit calhanoglu ist alles anders'

Die rote Karte für die Freundschaft steht seit fünf Jahren. Am Samstag, beim 198. Derby della Madonnina, könnte sie endgültig zerrissen werden.

Alexis Saelemaekers hat sie trotzdem noch nicht eingesteckt. Der Flügelflitzer von Milan erzählte DAZN, wie er mit Hakan Calhanoglu noch immer über WhatsApp schreibt – aber eben nicht mehr über Taktik, nicht mehr über gemeinsame Zukunft. 'Er half mir, als ich mit 20 nach Mailand kam. Seine Familie wurde zur meinen', sagt der Belgier. Dann kam der Bosstransfer im Sommer 2021. Null Euro Ablöse. Schwarz-Blau statt Rot-Schwarz. Für viele Milanisti ein Verrat, für Saelemaekers ein Bruch, der nie offiziell wurde.

Warum calhanoglu beim derby keinen handschlag erwarten kann

Warum calhanoglu beim derby keinen handschlag erwarten kann

Seitdem tickt eine stille Uhr. Beide Spieler kennen die Minuten, Sekunden, Mikro-Momente. Beim letzten Aufeinandertreffen schritt Calhanoglu an seinem ehemaligen Kollegen vorbei, Blick geradeaus, als wäre Luft. Saelemaekers dagegen winkte – halb. 'Wir treffen uns auf dem Rasen, dann sind wir Rivalen. Danach vielleicht wieder Freunde, vielleicht auch nicht', gibt er zu.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Seit seinem Wechsel lieferte der Türke acht Tore und elf Vorlagen in 15 Derby-Einsätzen. Milan gewann nur zwei Mal. Saelemaekers saß viermal draußen, kam viermal von der Bank, startete dreimal. Sein persönliches Tor-Konto: Null. Die Statistik nagt an ihm, selbst wenn er es nicht zugibt.

In der Via Aldo Rossi kracht es bereits Tage vor Anpfiff. Ultrà hängen ein Banner hoch: 'Calhanoglu, la luce ti mancherà'. Gemeint: Der Strahl, der nur im Giuseppe Meazza zu sehen ist, wenn Milan gewinnt. Druck kocht auch im Innenraum. Pioli will Saelemaekers auf Rechtsaußen schicken, um Calhanoglus Zentrum zu stören. Die Aufstellung ist kein Geheimnis, aber die Botschaft schon: Wer die Freundschaft pflegt, darf keine Geschenke machen.

Sonntag, 20.45 Uhr. Die Kurve singt, der Türke führt als Kapitän sein Team auf den Rasen. Saelemaekers stapft hinter seinem Tross her. Kein Blickkontakt. Erst beim Anstoß, wenn der Ball rollt, wird klar, ob die alte Verbindung endgültig kapituliert – oder ob ein einziger Pass alte Wunden wieder au reißt.

Möglicherweise ist dies das letzte Kapitel. Calhanoglus Vertrag läuft 2027 aus, Saelemaekers’ Leihoption endet schon im Juni. Beide könnten Mailand verlassen, bevor sie sich wieder in die Augen sehen. Dann bliebe nur die Erinnerung an eine Freundschaft, die der Fußball kaputtmachte. Und an eine Frage, die nie jemand laut stellte: Was wäre, wenn der eine stattdessen einfach nur verlängert hätte?