Coco packt aus: „inter-fans beschimpften mich als maldini, aber ich war top-3-verteidiger weltweit“
Francesco Coco trug sechs Jahre das rotschwarze Trikot des AC Mailand, vier Jahre das schwarzblaue des FC Inter – und zerbrach sich in fünf Derbys an der Ungewissheit, warum kein einziger Sieg dabei heraussprang. Jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, liefert der 46-Jährige in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport das Protokoll einer Karriere zwischen verlorenen Chancen, verletzter Wirbelsäule und verletzten Gefühlen.
„Terim hasste mich – barcelona war die rettung“
Coco erzählt, wie er 2001 bei Fatih Terim auf der Abschussliste stand, obwohl Milan ihn auf die „nicht verkäuflich“-Liste gesetzt hatte. „Ende August sagte ich trotzdem Goodbye. Der Trainer und ich – das war von Tag eins keine Liebe.“ Barcelona rettete ihm den Platz im Nationalteam, doch schon nach einer Saison zog es ihn zurück nach Italien. Ancelotti rief an, zweistündiges Gespräch, Absage. „Für ihn wäre ich zu Fuß zurückgelaufen, aber etwas zwischen mir und Milan war kaputt.“ Stattdessen landete er 2002 per Tausch bei Inter – gegen Clarence Seedorf. Die Fans empfanden den Deal als Frevel, Coco als Befreiung.
Die ersten Monate im blauen Teil der Stadt: „Die Interisti sahen in mir einen zweiten Maldini, nur in schwarzblau. Wenn ich den Ball verlor, hallte es über den Rasen: ‚Milanista di merda!‘“ Der Akkord war klar: Er war nie einer von ihnen, obwohl er es sein wollte. „Ich habe mir eingeredet, das wird schon. Aber du hörst jedes Wort auf dem Feld – und jedes war ein Messerstich.“

Die operation, die alles zerstörte
Dezember 2004: Bandscheiben-OP, eigentlich Routine. Coco sollte nach sechs Wochen wieder laufen, stattdessen lag er zwei Jahre flach. „Sie haben etwas vermasselt, mein Muskel atrophierte. Die Leute behaupteten, ich würde koksen. Lustig. Ich konnte danach nicht mal mehr meine Socken binden.“ Roberto Carlos hatte ihm einst das Label „einer der drei besten Linksverteidiger der Welt“ verpasst. Danach war Coco nur noch ein Fall für Physiotherapeuten.
Die Inter-Verantwortlichen verloren die Geduld, die Medien die Nerven. „Ich bekam Anrufe, ob ich überhaupt noch trainiere. Dabei war ich totgestellt. Die Karriere war gekapert – von einer Narkose.“

Derby ohne sieg, traumtor ohne tor
Fünf Mal Milan gegen Inter, null Siege, null Tore. „Ich habe mir das Tor tausend Mal ausgemalt, nie habe ich den Ball aufs Tor gebracht. Nicht ein Mal. Das ist mein echter Makel, nicht der Wechsel.“ Auch heute noch, sagt er, schaue er sich die Derbys an und spüre dieselbe Spannung wie damals. „Aber die Unberechenbarkeit bleibt. Wer glaubt, Inter sei klarer Favorit, weil Lautaro fehlt, unterschätzt das Spiel. Derbys haben ihre eigene Physik.“
Coco lebt heute in Mailand, arbeitet als TV-Experte, spricht mit rauer Stimme über das, was hätte sein können. „Ich war schön, schnell, reich – und verletzt. Die Leute denken, ich hätte verschissen. Ich weiß, ich habe nur verloren. Aber ich war trotzdem Weltklasse. Daran lässt mich Roberto Carlos nicht zweifeln – und die fünf Derbys auch nicht.“
