Roubaix-drama: colbrelli blickt zurück, van der poel zum favoriten!
Sonny Colbrelli, der Held von Paris-Roubaix 2021, hat mit einem Herzschrittmacher-Defekt einen jähen Stopp seiner Karriere erleben müssen. Doch nun, ein Jahr später, scheint er seinen Frieden mit dem „Hölle des Nordens“ geschlossen zu haben. Während er selbst in Capri eine Chronoskalade unterstützt, verfolgt er das Rennen, das ihn unsterblich machte, mit neuen Augen.
Die narben heilen langsam
„Es hat lange gedauert, bis ich mich damit abgefunden habe, was passiert ist“, gesteht der brescianische Radprofi, der nun eine neue Aufgabe gefunden hat. „Es war schmerzhaft, das Rennen nicht live sehen zu können, aber jetzt habe ich die Kraft dazu.“ Die Erinnerungen an seinen triumphalen Sieg sind zwar präsent, doch die Zeit hat die Wunden gelindert. Colbrelli schaut nach vorne, getragen von der Stärke seiner Familie – seine Tochter Victoria, acht Jahre alt, ist ein ständiger Anker in seinem Leben.

Van der poel im fokus, pogacar im hinterfeld
Die diesjährige Ausgabe der Roubaix verspricht ein Spektakel zu werden, so Colbrelli. Er erwartet ein Rennen auf Augenhöhe mit Flandern und Paris-Roubaix. Zwar schmerzt es ihm, seine ehemaligen Teamkollegen kämpfen zu sehen, doch seine Analyse ist klar: Mathieu van der Poel ist der Favorit. „Im Fiandre hatte ich noch Pogacar auf dem Zettel, da passte der Kurs besser“, erklärt er. „Die Roubaix ist aber eher nach seinem Geschmack.“ Auch Ganna hat gute Chancen, wie Colbrelli betont, der dessen Aufstieg nach dem Sieg im Attraverso Le Fiandre positiv einschätzt. „Er hat das Potenzial, mit den Besten mithalten zu können.“

Ein historischer moment – und ein trofee in livigno
Colbrelli blickt auf seinen Sieg zurück, der ihn in die Geschichte eingebracht hat. Ein Blick auf Social Media genügt, um die Bedeutung dieses Tages zu erkennen: Johan Museeuw, dreifacher Sieger, zeigte auf einem Foto, wie er nach dem Rennen die legendären Duschen im Velodrom besuchte – und dort sein Name auf der Trophäe prangte. Das Gefühl, auf dem Podest zu stehen und das Pflaster-Symbol in den Händen zu halten, ist für Colbrelli unvergesslich. Sein Pokal, sein Trikot und sein schlammverschmiertes Fahrrad ruhen nun im Aquagranda, einem Erlebnisbad, für das er Testimonial ist.

Die zukunft ist ungewiss, aber voller möglichkeiten
Colbrelli hat sich nun in Salò niedergelassen und betreibt dort mit weiteren Partnern ein Fahrradverleihgeschäft mit touristischer Begleitung und Fahrradreparatur. „Vielleicht werde ich eines Tages als Sportdirektor zurückkehren“, träumt er. „Aber im Moment liegt mein Fokus auf der Gründung einer Jugendmannschaft.“ Das Kapitel Radsport ist zwar abgeschlossen, doch das Feuer für den Sport brennt weiterhin. Die Vergangenheit mag nicht verändert werden können, aber das Leben geht weiter – und Colbrelli ist bereit, die neuen Chancen zu ergreifen.
