Ronaldo-auszeit: legende oder vermeidbarer stolperstein für portugal?
Dortmund – Ein Unentschieden gegen den DR Kongo, das mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert: Portugals WM-Ambitionen für 2026 scheinen derzeit durch die Leistungen von Cristiano Ronaldo, der in der Partie auffallend blass blieb, gedämpft. Der Superstar, der normalerweise jede Partie dominiert, agierte weit unter seinen üblichen Möglichkeiten und sorgte für Stirnrunzeln bei Experten und Fans gleichermaßen.
Die schatten des alters: henrys scharfe analyse
Thierry Henry, der ehemalige französische Stürmerstar, ließ wenig Zweifel an seiner Meinung: „Es geht um etwas Wichtiges. Die Mannschaft muss Tore schießen, nicht du.“ Seine Worte treffen den Kern der Kritik: Ronaldo, der mit 41 Jahren nicht mehr der Jüngste ist, scheint in einigen Situationen eher ein Hindernis als eine Hilfe zu sein. Er behinderte laut Henry sogar Bruno Fernandes, weil er unbedingt selbst den Ball vorziehen wollte. „Er spielt wie ein Mittelstürmer, war aber nie einer und verhält sich auch nicht so“, so Henry, der damit die veränderte Rolle Ronaldos in der portugiesischen Nationalmannschaft in Frage stellt.
Die Wahrnehmung scheint sich auch in der gegnerischen Mannschaft anzubahnen. Ngal’ayel Mukau, kongolesischer Mittelfeldspieler, betonte nach dem Spiel: „Wir wissen, dass er nicht mehr derselbe Spieler ist. Er ist etwas älter geworden.“ Eine Einschätzung, die viele Beobachter teilen, auch wenn sie den immensen Wert Ronaldos für den portugiesischen Fußball nicht schmälern wollen.

Rooneys verteidigung und neves' teamgeist
Wayne Rooney, Ronaldos ehemaliger Teamkollege bei Manchester United, widersprach der Kritik und betonte Ronaldos unbändige Siegeswillen: „So treibt er sich immer an, das ist seine Mentalität. Alles ist eine Herausforderung für ihn.“ Rooney erinnerte daran, dass Ronaldo und Messi sich über Jahre gegenseitig zu Höchstleistungen anspornten, wobei der portugiesische Stürmer stets den Anspruch hatte, nicht nur zu gewinnen, sondern auch Torschützenkönig zu werden. Ein Ehrgeiz, der ihn stets ausgezeichnet habe.
João Neves, der portugiesische Spieler, der die Führung erzielte, relativierte die Situation: „Wir wissen, was Cristiano für unsere Nationalmannschaft und den Fußball im Allgemeinen geleistet hat. Für mich ist er einfach ein Teamkollege, der mithilft.“ Seine Worte unterstreichen den Respekt, den Ronaldo im portugiesischen Team genießt, auch wenn seine Formkurve derzeit absteigend ist.
Ronaldo selbst reagierte auf das Unentschieden mit einer optimistischen Botschaft auf Instagram: „Es war nicht der Start, den wir uns gewünscht haben, aber das ist noch lange nicht vorbei. Kopf hoch.“ Ein Zeichen von Kampfgeist, das aber auch die Frage aufwirft, ob Ronaldo seine Rolle in der Mannschaft anpassen muss, um weiterhin eine positive Kraft zu sein.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob Portugal in der Lage sein wird, Ronaldos Ego in den Dienst der Mannschaft zu stellen und seine Erfahrung und sein Wissen optimal zu nutzen, ohne ihn zu einer Last zu machen. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob der portugiesische Fußballverband einen Weg findet, mit dem „alten Hasen“ umzugehen und gleichzeitig die jungen Talente zu fördern.
