Rom bringt tennis neu auf kurs: supertennis arena eröffnet zeitalter der nähe

Rom schlägt nicht einfach einen Ball, sondern die ganze Stadt. Die neue SuperTennis Arena verwandelt die Italian Open in einen 360-Grad-Kracher, bei dem Zuschauer so nah am Schweißfleck der Profis hängen, dass sie den Grip-Tape-Geruch mitkriegen.

Stadion statt monument – der foro wird lebendig

21 Courts, drei Herzstücke, ein einziger Plan: Geschichte ohne Museumsmuff. Wo sonst Marmorruinen bröckeln, steht jetzt eine 14-Eck-Konstruktion aus Stahl und Glas, deren Tribünen sich wie Klettersteige um das Spielfeld schlingen. Architekt und Turnierleiter nennen das „percorso genera forma“ – Weg erzeugt Form. Klingt nach Hippie-Mantra, funktioniert aber. Die Zuschauer fließen mit der Architektur, statt in Reihen abgekapselt zu sitzen.

Die Zahlen sind klein, deswegen laut: 4.500 neue Sitzplätze passen in die SuperTennis Arena, jeder Meter wurde mit Laser vermessen, damit auch der letzte Rank 1,20 m Abstand zum Netz hat. Das ist keine VIP-Loge, sondern ein Fangriff auf die Sinne. Marco Mezzaroma, Präsident des Organisationskomitees, nennt den Foro Italico einen „lebenden Denkmal“. Er meint: Wenn das Monument atmet, darf man auch mal renovieren.

Die Gegner der Spieler sind künftig nicht nur Across-Court-Gewinner, sondern auch 60 Grad Steilkurve hinter der Grundlinie. Die Akustik? Testläufe ergaben 105 dB bei einem 200 km/h Aufschlag – MotoGP-Niveau. Die Spieler werden sich umgewöhnen müssen, dass ihr Grunzen nicht mehr in Leere verpufft, sondern von 4.500 Stimmen zurückkommt wie ein Echo aus Höllenberg.

Die rechnung geht auf – wenn der ton stimmt

Die rechnung geht auf – wenn der ton stimmt

Die Baukosten verschweigt der italienische Sportstaatskonzern Sport e Salute. Stattdiese präsentiert man lieber das Sponsoring-Modell: SuperTennis, der Fernsehsender der Italian Tennis Federation, hat den Namen gepachtet, Panini kriegt die Sammelkarten, die Gazzetta dello Sport verkauft Digital-Abos. Ein Paket kostet 80 Euro und enthält das komplette Turnier plus Sticker-Album. Die Botschaft: Wer die Arena besteigt, kriegt auch die Erinnerung mit nach Hause.

Die erste Bewährungsprobe kommt in 63 Tagen. Dann trifft Sinner vielleicht auf Medvedev, Alcaraz auf Djokovic. Werden sie über die neue Nähe schimpfen? Sicher. Aber sie werden auch spüren, wie sich ein Ball, der hinter der Grundlinie aufspritzt, anfühlt, wenn 4.500 Menschen gleichzeitig Luft holen. Das ist keine Kulisse mehr, das ist Co-Autor.

Rom hat dem Tennis ein Upgrade verpasst, ohne die eigenen Knochen zu brechen. Die SuperTennis Arena ist kein Statement gegen die Vergangenheit, sondern ein Versprechen: Wenn sich Sport und Stadt berühren, braucht es keine Mauer, sondern eine Tür. Und die steht offen – bis der erste Aufschlag donnert.