Ignatavicius schlägt ein tor, das es eigentlich nicht geben dürfte
90 Sekunden reichen Genève-Servette, um Playoff-Spiel 4 zu drehen – und eine Schiedsrichter-Panne zu produzieren, die das Halbfinale gegen Lausanne aufzuheizen droht.
Die Szene, über die alle reden, passiert in der 24. Minute. Simas Ignatavicius, erst 18, schnappt sich den Puck hinter dem Tor, schlängelt sich an den Banden entlang und netzt zum 2:1 für die Grenats. Die Les Artisans explodieren, die Scheibe liegt im Netz. Doch Ignatavicius’ Hacke steckt noch in den Kufen von Lausannes Défenseur Janis Heldner.

Was der ref nicht sah, ändert die serie
Heldner rutscht kopfüber weg, sein Helm klatscht aufs Eis. Fernsehbilder zeigen, wie Ignatavicius’ Stock zwischen Heldners Beinen hackt, während seine freie Hand dem Gegner ein kleines Judo über die Schulter verpasst. Slew-Footing, nennt das die Regel 52 – Fünf Minuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe. Schiedsrichter Robin Eriksson und sein Kollege schauen stattdessen aufs Scoreboard.
TV-Experte Nadir Mandioni reagiert sofort: „Wenn das gepfiffen wird, steht es weiter 1:1, GSHC spielt sieben Minuten in Unterzahl, Lausanne bekommt Schwung.“ Stattdessen schrauben die Genfer innert 1,5 Minuten auf 3:1 davon, und die Serie steht plötzlich 3:1 statt 2:2.
Die Disziplinarkommission wird heute Nacht die Videosichtung abschließen. Eine Einzel-Sperre für Ignatavicius gilt als sicher. „Jugend oder nicht“, sagt ein Insider, „so eine Grätsche ist ein Statement, und Statements muss man bestrafen.“
Lausanne-Coach John Fust tobte nach dem Spiel: „Wir verlieren nicht wegen eines Foul, aber wir verlieren wegen eines nicht geahndeten Fouls. Das nagt.“ Sein Kapitän Mikael Wikstrand war deutlicher: „Wir erwarten, dass die Liga ihre eigene Regel liest.“
Genève-Servette kann den Vorwurf der Schieflage wegen eines einzelnen verpassten Calls nicht abtun. Die Serie ist nicht nur 3:1, sondern auch emotional auf 180 Grad gedreht. Das nächste Spiel in Lausanne ist am Freitag. Die Fans der Vaud-Stadt kündigen schon jetzt eine Megaphon-Version von „I-gna-ta-vi-cius“ an – begleitet von Pfeifkonzert.
Für die Grenats geht es darum, diese Eskalation kaltzustellen. Coach Craig Woodcroft sagt lapidar: „Wir kontrollieren, was wir kontrollieren können – und das ist der Puck.“ Ob das reicht, wird sich zeigen. Die Bilanz spricht eine klare Sprache: Wer in der National League 3:1 führt, verliert die Serie nur noch in acht Prozent der Fälle. Aber diese acht Prozent fühlen sich momentan in Lausanne wie eine Einladung an.
