Rodri kehrt zurück: spaniens neuer kapitän will den thron besteigen
Rodri ist zurück. Nicht für ein paar Minuten, nicht als Statist, sondern als Chef. Nach 176 Tagen Reha, zwei kurzen Gastspielen in Sofia und Konya und einem Muskelriss, der alles zurückwarf, steht der Madrilene wieder in Spaniens Startformation – und trägt erstmals dauerhaft die Binde. 59 Länderspiele, null Fanfaren. Bis jetzt.
Die binde wechselt den besitzer
Álvaro Morata war es gewohnt, das Spiel zu eröffnen, die Hymne anzuführen, die Flüche zu verteilen. Doch der Angreifer von Como hat seit September kein Trikot mehr berührt, seine Stimme verhallt im Archiv. Die Rangliste der Einsätze führt jetzt Rodri an, vor Unai Simón (56), Ferran Torres (53) und Mikel Oyarzabal (51). Die Logik der Zahlen ist gnadenlos: Wer am längsten dabei ist, bekommt das Mikrofon.
De la Fuente hat die Reihenfolge neu geschrieben. Dreimal führte Rodri die Mannschaft bereits, doch immer nur, weil Morata rotierte, suspendiert war oder einem verstorbenen Großvater huldigte. Am Donnerstag gegen Serbien in Vila-real wird er Kapitän aus Verfassung, nicht aus Anlass. Das ist der Unterschied zwischen Gastgeber und Hausherr.

Zubimendi wartet neben dem thron
Martin Zubimendi hat in Rodris Abwesenheit keine Lücke geschlossen – er hat ein eigenes Zimmer gebaut. Der Gipfel der Nations League in Saragossa, die Kontrolle gegen Schweiz und Dänemark: alles ohne den Weltfußballer. Die Frage lautet nicht mehr, ob Rodri wieder fit ist, sondern: Passt das beste Spanien überhaupt noch in eine Startelf? De la Fuente muss sich zwischen zwei Weltklasse-Sechsern entscheiden oder das Experiment wagen, beide zu spielen. Die Antwort gibt kein Lehrbuch, nur der Rasen.
Dabei fehlt Mikel Merino, Fabián Ruiz ist angeschlagen. Die Mitte ist so glänzend wie eng. Wer neben Rodri spielt, bestimmt, ob Spanien dominieren oder nur kontrollieren will. Zubimendi kann beides, aber er will nicht mehr nur springen. Er will tanzen.

Louzán bekommt die rechnung präsentiert
Rafael Louzán, neuer Teammanager, erlebt sein erstes Großturnier-Gehaltstreffen. Die Prämien für die Final Four der Nations League und die Confederations-Cup-Quali werden jetzt verhandelt. Rodri sitzt am Kopfende des Tisches und spricht für 23 Stimmen. Der Kapitän ist auch Gewerkschaft. „Wir wollen Titel, nicht Trostpflaster“, lautet die Devise. Wer die Binde trägt, trägt auch die Verantwortung für die Kasse.
2018 lief Rodri in Düsseldorf zum ersten Mal auf, ein unbekannter Joker von Villarreal. Heute ist er der Ingenieur, der den Takt der Mannschaft programmiert. Acht Jahre, drei Turniere, ein Europameister-Titel. Die Krone war Moratas, das Zepter gehört jetzt Rodri. Und er schwingt es nicht als Zeremonienmeister, sondern als Feldherr. Spanien sucht nicht nur den Rhythmus – es sucht den nächsten Sieg. Der Kapitän liefert beides.
