Roca stellt sich braga in den weg: betis will europas krone

Marc Roca sitzt vor den Mikrofonen, das Kinn nach vorn, die Stimme ruhig. Am anderen Ende Portugals wartet Braga, und der Katalane weiß: Wer morgen im Estádio Municipal die Schaltstelle dominiert, der schreibt Geschichte. Genau deshalb hat Manuel Pellegrini ihn mitgebracht – nicht als Statist, sondern als Kommandeur.

Roca spart nicht mit selbstvertrauen

„Wir wollen die Europa League gewinnen“, sagt er, ohne mit der Wimper zu zucken. Kein „vielleicht“, kein „wenn alles klappt“. Eine Ansage. Der 26-Jährige spricht wie ein Mann, der die Playliste des Gegners auswendig kennt: Ballbesitz, hohes Pressing, halbrumene Anspiele – Braga tickt so. „Wir müssen mutig sein, die Linien offen halten und den Ball laufen lassen, bis sich die Räume auftun.“

Die Zahlen geben ihm recht. In der Gruppenphase passte Roca 92,4 % seiner Pässe genau auf grün-weißes Trikot, in der Königsklasse liegt seine Zweikampfquote bei 63 %. Eine Konstante im sonst so schwankenden Betis-Jahr. Gegen Espanyol durfte er verschnaufen, nun ist die Maschine wieder auf Hochtouren gespannt. „Ich bin bereit, 90 Minuten plus Nachschlag zu geben“, verspricht er.

Isco liefert die erfahrung, roca den drive

Isco liefert die erfahrung, roca den drive

Dass Isco neben ihm die Koffer packt, ist kein Zufall. Der Andalusier trägt 71 Europapokal-Einsätze im Rücken, Roca erst sieben. Gemeinsam ergänzen sie sich wie Uhrwerk und Pendel. „Isco beruhigt, ich treibe an“, lacht Roca. „Wenn einer den Ball verliert, sprinte ich dreimal, um ihn zurückzuholen. Das ist mein Job.“

Die Fans reisen trotz 650 Kilometer Strecke in Scharen. 3.000 Béticos haben Karten gebucht, die Hymne wird selbst in den Gängen von Minho widerhallen. „Sie singen, bis sie heiser sind. Dann singen sie noch einmal“, schwärmt Roca. „Das ist kein Bonus, das ist unser zwölfter Mann.“

Braga ist kein schrittmacher, sondern ein spiegel

Braga ist kein schrittmacher, sondern ein spiegel

Die Portugiesen haben in dieser Saison bereits Milan und Union Berlin ausgeschaltet, zu Hause kassierten sie nur zwei Gegentore. „Aber sie haben noch nie gegen uns gespielt“, wirft Roca ein. Er spricht von „gezieltem Chaos“: schnelles Umschaltspiel, vertikale Pässe in die Spitze, sofortiges Gegenpressing. „Wenn wir das Tempo diktieren, bekommen sie Krücken statt Kreuze.“

Und dann die Frage, die seit Wochen durch Sevillas Gassen geistert: Schafft Betis das Champions-League-Ticket über den Pokal? Roca antwortet mit einer Zahl: „Zwölf Siege bis zum Titel.“ Kein Pathos, nur Arithmetik. „Anfangen müssen wir morgen um 21:00 Uhr. Der Rest folgt automatisch.“

Er steht auf, zieht die Kappe tiefer in den Nacken. Draußen wartet der Bus, der ihn zur Arena bringt. Dort, zwischen Tribüne und Trainingsgelände, wird sich zeigen, ob Roca nur redet – oder ob er Betis tatsächlich auf die Spur der großen Geschichten führt. Die Uhr läuft. Portugal wartet. Und Roca? Der ist längst auf dem Weg zur Mitte des Rasens, wo morgen die Musik entscheidet, wer Europas Bühne betritt und wer sie verlässt.