Ried schreibt märchen weiter: cup-halbfinalist trotz winter-tief
Die SV Ried kehrt mit einem Kater aus der Winterpause zurück – und trotzdem lächelt das Fußballgottes. Sechs Wochen nach dem letzten Pfiff steht der Aufsteiger im ÖFB-Cup-Halbfinale, hat die Meistergruppe nur um einen Treffer verpasst und den Liga-Keeper mit der besten Note. Wer von einem Schiffbruch spricht, war noch nie auf der Keplerwiese.
Mutandwa ist der grund, warum torschützenkönige nervös werden
40 Prozent der Rieder Tore tragen die Handschrift von Kingstone Mutandwa. Acht Tore, drei Vorlagen, unzählige Abstauber im Nacken der Abwehr – die Leihgabe aus Cagliari spielt sich in 17 Runden zur Galionsfigur. Die Kaufoption liegt laut Geschäftsführer Wolfgang Fiala „im oberen sechsstelligen Bereich“. Übersetzt: Zahlt Ried, kostet es fast eine Million. Lässt man ziehen, kostet es das Gesicht. Ein Transferpoker, der sich bis Mai zieht.
Hinter ihm wartet Peter Kiedl – talentiert, aber noch kein Notnagel. Die Statistik ist gnadenlos: Ohne Mutandwa auf dem Platz holte Ried in dieser Saison einen Zähler aus vier Spielen. Die Botschaft ist klar: Wenn der Sambier ausfällt, schaltet die Maschine auf Sparflamme.

Bajlicz riss binnen wochen rapid die hoffnung auf eine rückkehr aus
Nicolas Bajlicz landete Ende August als U-21-Teamspieler von Rapid II – als Notlösung. Heute sitzt der 20-Jährige im zentralen Mittelfeld fest, hat Markus Grosse zur Seite gedrängt und den Rekordmeister vor einem Problem: Die Rückkaufoption der Hütteldorfer wird mit jedem 90-minütigen Dribbling teurer. Rapid beobachtet, Ried jubelt. Das nächste Juwel wächst eben nicht im eigenen Garten, sondern im Innviertel.

Leitners handschuhe und havenaars kopf: die unterschätzte dna
Kapitän Andreas Leitner stand 1.530 Minuten zwischen den Pfosten, bekam nie eine Note schlechter als 3,5 und ist damit laut kicker bester Schlussmann des Grunddurchgangs. Davor blockiert Nikki Havenaar mit 382 Zweikämpfen jeden Vorwärtsgang – plus zwei Kopfbälle im Cup gegen Rapid, die das Stadion zum Kochen brachten. Wer Ried nur für Mutandwa feiert, übersieht das Gerüst, das den Cup-Halbfinalisten trägt.

Senft blieb – und das ist das größte transferpaket des winters
Als Sturm Graz Anfang Jänner anklopfte, schwankte die ganze Stadt. Maximilian Senft hätte mit seinem kompletten Staff den Aufsteiger verlassen können. Die Entscheidung fiel am 3. Jänner um 22:17 Uhr – per Pressemitteilung. „Ried zieht an gleicher Stelle weiter“, hieß es. Kein „wir“, kein „vielleicht“, nur Kontinuität. In einer Liga, in der Trainer häufiger wechseln als Socken, ist das ein Sechser im Lotto.
Die Moral der Geschichte: Wer den Abstieg befürchtete, verrechnete sich. Die SV Ried spielt nicht nur mit dem Ball, sondern auch mit den Erwartungen. Und wenn der Frühling kommt, steht das Team, das sich selbst als Aufsteiger verkleidete, plötzlich zwei Siege vom Europa-League-Traum entfernt. Die Wikinger sind noch lange nicht fertig – sie haben erst den Anfang geschrieben.
