Rhein-neckar löwen: punkte weg, wut da – anti-doping-formular kostet sieg

32:30 stand es auf der Anzeige, die Halle tobte – doch jetzt heißt es 0:2. Die Rhein-Neckar Löwen haben ihren Heimsieg gegen TBV Lemgo Lippe verwirkt, weil ein Spieler die Anti-Doping-Schiedsvereinbarung nicht unterschrieben hatte. Die HBL nahm den Tabellenführer beim Wort, zog die Reißleine und versetzte dem Meisterschaftsrennen einen Einschlag, der bis in die Play-offs nachhallen kann.

Ein formular, zwei punkte, null toleranz

Seit 1. Januar 2026 ist die Schiedsvereinbarung laut Durchführungsordnung „Zugangskarte“ zum Feld. Wer sie nicht abliefert, spielt sein Spiel umsonst. Die Löwen haben den Paragrafen unterschätzt – oder schlicht übersehen. Am 20. Februar lief der betroffene Akteur auf, erzielte drei Treffer, wurde nicht gemeldet. Die HBL-Kontrolle schlug am Montag zu, stufte die Partie als verloren und schob Lemgo die Punkte rückwirkend hinterher. Kein Ermessen, keine Staffelung, nur harte Regelkunde.

Die Folge: Minus zwei Zähler für Mannheim, plus zwei für Ostwestfalen. Die Löwen rutschen von 44 auf 42 Punkte, Lemgo klettert auf 28 und rückt im Abstiegskarussell einen Gang heraus. Die Tabelle lügt nicht, aber sie täuscht – denn der Rechtsweg läuft noch.

Machulla wütet, bachert kündigt klage an

Machulla wütet, bachert kündigt klage an

Trainer Maik Machulla flippte nach dem offiziellen Bescheid aus: „Wir haben die Jungs angefeuert, unsere Fans gefeiert – und dann kommt so ein Bürokratenschlag ins Kontor.“ Geschäftsführer Holger Bachert zog die Kriegsglocke: „Wir werden vor dem DHB-Bundessportgericht dagegen vorgehen. Punkt.“ Mehr durfte er nicht sagen, sonst droht Schmähkritik. Doch intern brodelt es: Wie konnte das Prozedere überhaupt passieren? Die Spielerverwaltung soll die Unterlagen parallel zur Lizenzierung laufen lassen – offenbar war ein Aktenordner zu tief vergraben.

Die HBL gibt sich unbeirrbar. „Gleiches Recht für alle“, heißt es in der Pressemitteilung. Gemeint: Wenn wir jetzt nachlassen, spalten wir die Liga. Die Konsequenz ist ein Präzedenzfall, der künftig jeden Verein treffen kann – und der die ohnehin schon komplexe Dopingkontrolle zur Bürokratie-Falle verkommen lässt.

Der zeitplan wird zum zünder

Der zeitplan wird zum zünder

Die nächsten zwölf Tage entscheiden. Die zweite Kammer des Bundessportgerichts muss klären, ob die HBL formal korrekt handelte oder ob ein Verfahrensfehler vorliegt. Sollte das Urteil zugunsten der Löwen fallen, wären die Punkte zurück – dann aber gäbe es ein höchst ungewöhnliches Tabellen-Chaos mit verspäteten Auf- und Abstiegen. Fällt der Bescheid weg, könnte der Meisterkampf offen: Flensburg liegt nur noch einen Punkt hinter Mannheim, Kiel zwei.

Und der Spieler? Er trainiert weiter, wird aber intern mit einem Salär-Abzug belegt. Die Kabine hält zusammen, doch die Stimmung ist angeknackst. „Wir fühlen uns betrogen vom System“, sagt ein Leistungsträger anonym. „Dopingtest war negativ, aber wir bekommen die Strafe – das ist wie Rot nach Gelb-Rot ohne Foul.“

Die Löwen reisen am Wochenende nach Berlin, müssen dort punkten, um nicht vollends in Schieflage zu geraten. Die Fans diskutieren bereits über einen Marsch vor dem DHB-Hauptquartier in Dortmund. Und die Liga? Die schaut auf eine Saison, in der nicht mehr der bessere Sieger entscheidet, sondern der bessere Bürokrat.

Die moralische Bilanz: Ein Formular, acht Seiten, eine Unterschrift – und plötzlich zählt nicht mehr, wer Tore wirft, sondern wer Akten schiebt. Die Rhein-Neckar Löwen haben es bitter gelernt: In der HBL kann man auch dann verlieren, wenn man gewinnt.