Reitz fliegt raus: gladbach muss auf seinen kapitän verzichten
Rocco Reitz sieht rot, Gladbach zittert. Der Kapitän der Fohlen ist nach seinem Platzverweis in München für das Heimspiel gegen St. Pauli gesperrt – und genau das Derby gegen den Kiez kommt zur Unzeit.

Die notbremse, die gladbachs saisonplan durcheinanderwirbelt
Reitz räumte Musiala in der 55. Minute mit offener Sohle ab, Schiedsrichter Jablonski zückt sofort Rot. Das DFB-Sportgericht bestätigte am Samstag die Sperre für ein Pflichtspiel. Konsequenz: Der 23-Jährige fehlt am Freitag (20.30 Uhr/Sky) im Borussia-Park, wenn der Tabellenvorletzte aus Hamburg anreist – ein Spiel, das laut interner Analyse „sechs-Punkte-Charakter“ trägt.
Trainer Gerhard Seoane verliert damit seinen Mittelfeld-Motor, der in dieser Spielzeit bereits 27 Zweikämpfe pro 90 Minuten gewinnt – Liga-Spitzenwert. Die Alternative: Köpke oder Weigl vor der Abwehr, dafür wird elvedi wohl wieder zur Sechser-Position rücken. Die St.-Pauli-Scouts werden die Lücke genaustens analysieren.
Der Zeitpunkt ist brisant. Nach dem Heimspiel wartet am 21. März das Rhein-Duell in Köln, wo Reitz wieder auflaufen darf. Die Fans wittern eine psychologische Falle: ohne Kapitän gegen den Angstgegner, mit Kapitän im Derby – ein Zyklus, der die Moral schon mal nach unten ziehen kann.
Für Reitz persönlich ist es die zweite Sperre innerhalb von vier Monaten. Beim 1-3 in Leverkusen sah er Gelb-Rot, nun folgt Rot direkt. Seine Foulquote stieg von 1,8 auf 3,1 pro Spiel – ein Wert, der Fragen aufwirft, ob die Führungsrolle ihn gerade zusätzlich treibt. Intern heißt es, er habe sich sofort nach dem Bayern-Spiel beim Team entschuldigt – Worte, die die Kabine brauchte, aber den Punktverlust nicht wettmachen.
Gladbach hat ohne Reitz in dieser Saison erst einmal gespielt: 0-2 in Frankfurt. Die Sieglos-Serie liegt bei fünf Partien. Gegen St. Pauli wird also nicht nur ein Dreier erwartet, sondern ein Beweis, dass die Fohlen auch ohne ihren jungen Anführer bestehen können. Die Rechnung ist einfach: gewinnen sie, springt mindestens Platz zwölf heraus – und der Druck vor dem Derby sinkt. Verlieren sie, rutscht der Blick wieder auf den Relegationsplatz. Die Antwort gibt’s am Freitagabend, live im Borussia-Park und in den Köpfen der Spieler, die ihren Kapitän nur von der Tribüne kennenlernen werden.
