Wetzlar verspielt chance auf befreiung: mappes spricht von „nicht bundesligatauglich“
Das war ein Schlag ins Kontor statt der Befreiung. Die HSG Wetzlar unterlag dem MT Melsungen mit 32:38, verspielte damit den großen Sprung aus dem Keller und mushte sich anschließend eine Standpauke selbst verpassen. Dominik Mappes, Spielmacher und sonst eher ein Mann der ruhigen Töne, schlug nach der Partie den Ton an – und der war vernichtend.
„Wir kriegen nicht einmal ein Tempotor, sondern 38 Positionsangrifftreffer. Das ist nicht bundesligatauglich“, sagte der Routinier bei Dyn. Kein Tempotor, keine Deckung, keine Punkte. Die Rechnung geht so nicht auf. Der erhoffte Befreiungsschlag wurde zur Niederlage mit Ansage, weil sich Wetzlar in der Abwehr selbst zerlegte.
„Jeder kämpft für sich allein“ – sigtryggsson entsetzt
Trainer Runar Sigtryggsson brauchte nach nur neun Minuten seine erste Auszeit, als das Lampenfieber längst zur Lähmung geworden war. „Ich bin sehr enttäuscht über unser Abwehrverhalten heute. Das hat mir von Anfang an nicht gefallen“, so der Isländer. Die Folge: Kein Zugriff, keine Zweikampfkultur, keine Punkte. „Jeder kämpft für sich allein“, lautet sein vernichtendes Fazit. Die MT Melsungen, selbst im Terminstress, ging in der eigenen Halle baden und schwamm dabei.
Michael Allendorf, neuer Geschäftsführer Sport und Ex-MT-Mann, versprach nach dem Schlusspfiff, „dass wir bis zum letzten Tag alles dafür geben, um in der Liga zu bleiben und auch nächste Saison ein Hessenderby gegen die MT zu haben“. Ein Versprechen, das nach 60 Minuten Handball-Schockmoment mehr Mut kostet als ein Siebenmeter mit verbundenen Augen.

Die grelle wahrheit: wetzlar steht mit dem rücken zur wand
Die Tabelle lügt nicht, und die Stimmung im Lahn-Derby auch nicht. „Vor allem hat mir der Kampfgeist gefehlt. Genau das ist in so einem Derby ganz wichtig“, so Sigtryggsson. Die Fans spürten die Lethargie, der Hallenboden wirkte wie vereist. Die grelle Wahrheit: Ohne Abwehr kein Angriff, ohne Kampf kein Klassenerhalt.
Mappes blickt dennoch nach vorn: „Wir werden das Spiel analysieren, um es beim nächsten Mal besser zu machen.“ Die Zeit wird knapp, der Glauben wird auf die Probe gestellt. Die HSG Wetzlar muss sich neu erfinden – oder in der 2. Bundesliga landen. Die nächsten Partien sind keine Übungsrunden mehr, sondern Endspiele im Überlebenskampf. Die Uhr tickt. Die Liga wartet nicht.
