Real sociedad spielt drei heimspiele in serie – champions-league-traum lebt

Anoeta wird zur Festung. Dreimal in Folge ballert Real Sociedad vor eigenem Publikum um Europa, vielleicht sogar um die Champions League, und niemand ahnt, ob der Pokalfinal-Trip nach Sevilla die Köpfe schon jetzt trübt. Die Zahlen sprechen für sich: 14 von 18 Punkten unter Pellegrino Matarazzo, keine Niederlage daheim, vier Siege, zwei Remis – das ist kein Zufall, das ist ein Statement.

Seit der Entscheidung, das Copa-del-Rey-Endspiel um einen Tag vorzuziehen, rutschte die Liga-Partie gegen Levante in den engen Zeitrahmen. Erst Levante, dann Alavés, danach der Flug nach Andalusien, danach wieder Getafe im eigenen Stadion. Ein Programm, das selbst Profis ins Schwitzen bringt. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Spieler das verkraften, sondern: wie lange sie sich vor dem Finale noch vor der eigenen Tür blamieren lassen.

Matarazzos geheimwaffe heißt rhythmus

Kurz, knackig, brutal effizient – so lautet die Devise im Training. Der Coach aus New Jersey verkürzte die Einheiten, verlagerte den Fokus auf Reaktionsschulung und setzte die Regeneration auf Level Profi-Plus. Ergebnis: Gegen Barcelona und Celta schoss seine Truppe in 180 Minuten fünf Tore und kassierte nur einen. Die einzige Delle folgte gegen Zweitliga-Absteiger Oviedo im Pokal – 3:3, ein Warnschuss mit Folgen.

Die Kabine zittert nicht. Mikel Oyarzabal erklärte nach dem 3:1 gegen Osasuna, man habe „die Köpfe schon in Sevilla, die Beine aber noch fest im Baskenland“. Keine Floskel, sondern interne Parole. Die Spieler wissen: Wer jetzt in der Liga stolpert, darf im Finale zwar noch den Pokal stemmen, verpasst aber möglicherweise die Champions League. Ein Trophäen-Foto mit Europa-League-Zitat? Schön. Aber kein Ersatz für 40 Millionen Euro Startprämie der Uefa.

18. Mai – der tag, der alles verschiebt

18. Mai – der tag, der alles verschiebt

Am 18. Mai ist Anstoß im Estadio de la Cartuja. 57.000 Fans, davon 35.000 aus San Sebastián, planen schon die Rückfahrt. Die Stadtverwaltung Sevilla hat zusätzliche Züge bereitgestellt, die Hotels in Triana sind ausverkauft. Die Spieler? Sie fliegen erst zwei Tage vorher, um Ablenkung zu minimieren. Matarazzo droht mit Bankstrafen für jede WhatsApp-Gruppe, die sich nach 23 Uhr meldet. Disziplin ist Trumpf.

Doch selbst wenn der Pokal mit Fliegenschlag nach Hause kommt, wartet drei Tage später Getafe. Kein Sonntagsausflug, sondern ein Gegner, der in den letzten fünf Jahren in Anoeta zweimal gewann. Die Mathematik ist simpel: neun Punkte aus den nächsten drei Partien bedeuten 63 Zähler, damit wäre Real mindestens fünft – und das reicht, wenn Barcelona die Champions League über die Königsklasse erreicht. Ein Szenario, das kein Fan vor Saisonbeginn zu träumen wagte.

14 Punkte aus 18 – diese Zahl nagelt die Mannschaft an die Spur. Sie erlaubt es, auch das unsichere „Was wäre wenn“ zu ignorieren. Denn selbst wenn Real in Sevilla verliert, bleibt das Liga-Soll. Und genau darin liegt die Stärke dieses Kaders: Sie spielen nicht für ein Finale, sie spielen für eine Saison, die am 1. Juni noch läuft. Wer dann in der Europa League grüßt oder in der Champions League – das entscheidet sich in den nächsten 270 Minuten vor heimischer Kulisse. Anoeta wird zur Schaltzentrale Europas. Punkt.