Norwegen rast nach tschofenigs olympia-rauswurf: „gerechtigkeit sieht anders aus“
Ein einzelner Schuh, ein paar gezogene Nähte – und die Skisprung-Welt gerät erneut ins Taumeln. Daniel Tschofenigs Disqualifikation in Cortina wirft ein Schlaglicht auf die brisante Frage: Wer bekommt wie viel Strafe, wenn die Regeln gebrochen werden? Die Antwort der Norweger fällt gnadenlos aus.
Die sünde, die keinen namen tragen will
Laut FIS-Dokumenten, die NRK vorliegen, war der Vorfall mehr als ein Versehen mit überdimensionaler Schuhsohle. Der Österreicher soll seinen Anzug während der Kontrolle gedehnt und so die Passform manipuliert haben. Sandro Sambugaro, italienischer Rennleiter, spricht von „unangemessenem Verhalten“, sieht aber keinen Vorsatz. Ein halber Rauswurf für einen vollen Verdacht – das reicht den Skandinaviern nicht.
„Ich kenne die harte Schule der Strafen“, sagt Johann André Forfang. „Da tut es weh, wenn andere nur einen Klaps auf die Finger bekommen.“ Gemeint ist Tschofenig, gemeint ist auch die WM 2025, als Forfang gemeinsam mit Marius Lindvik und Halvor Egner Granerud für drei Monate suspendiert wurde. Heimliche Videoaufnahmen hatten gezeigt, wie nach der offiziellen Prüfung zusätzliche Nähte gesetzt wurden. Der Verband zahlte, die Athleten saßen aus, der Mythos von der sauberen norwegischen Maschine bekriegte Risse.

Gerechtigkeit als gummiband
Granerud reagiert mit messerscharfem Sarkasmus: „Wer so laut nach härteren Strafen schreit, sollte sich selbst nicht im Zweifel sondern auf der Anklagebank sehen.“ Lindvik winkt ab: „Er hat uns den Somter überzogen, jetzt darf er selbst Staub fressen.“ Die Stimmung kocht, obwohl – oder gerade weil – die Fälle juristisch nicht deckungsgleich sind. Mathias Hafele, österreichischer Ausrüstungschecker, versucht zu erklären: „Ein Anzug, der während der Kontrolle verformt wird, ist ein anderes Kaliber als ein Nachbügeln nach der Freigabe.“ Die Worte verpuffen im Lärm der sozialen Netzwerke.
Tschofenig selbst hält sich bedeckt. „Ich habe gelernt, werde es nicht wieder tun“, sagt er zu NRK, als hätte er nur vergessen, den Mülleimer rauszustellen. Der Sieger der Vierschanzentournee 2024/25 bleibt Sieger, nur ohne Olympiamedaille. Die Norweger bleiben geschasst, nur mit mehr Medaillen. Und die FIS? Die steht erneut da wie ein Lehrer, der die Klassenclowns nicht auseinanderbekommt.
Die Bilanz nach Cortina: Ein Schuh, ein Anzug, ein gespaltenes Feld. Die nächsten Saisons werden zeigen, ob die neue Regel-Justiz wirklich Gleiches für Gleiche fordert – oder ob der Glaube an faire Sanktionen endgültig ins Leere springt.
