Rastoder jagt den traum: thun-torjäger vor wm-historie

Elmin Rastoder könnte binnen sieben Tagen Geschichte schreiben – als Erstligist mit dem FC Thun und als WM-Teilnehmer mit Nordmazedonien. Der 24-jährige Stürmer trifft heute Abend in den Playoff-Halbfinals auf Dänemark, zwei Siege trennen ihn vom größten Kick seines Lebens.

Von der super league ins wm-endspiel

Zwölf Tore, kein Schweizer Stürmer traf häufiger. Rastoder hat Thun an die Tabellenspitze geschossen, den Klub auf Meisterkurs. Doch während seine Kollegen in der Schweiz noch auf den ersten Titel seit 2005 warten, brennt der Goalgetter bereits für das Nationalteam. „Wenn ich an die Playoffs denke, bin ich am Brennen“, sagte er vor Wochen – jetzt ist die Stunde der Wahrheit da.

Der Weg ist eng, aber nicht unmöglich. Nordmazedonien schlug in der Nations-League-Gruppe Deutschland und Italien aus dem Konzept, holte sich als Gruppensieger das Ticket für die europäische Repechage. Mit Goce Sedloski an der Seitenlinie und einer Elf, die sich blind versteht, reist der Außenseiter nach Kopenhagen. „Ein Spiel, alles offen“, sagt Rastoder. „Und in einem Spiel ist bekanntlich alles möglich.“

Ein thuner mit mazedonischem herzen

Ein thuner mit mazedonischem herzen

Geboren in der Schweiz, aufgewachsen im GC-Nachwuchs, fand Rastoder seine Wurzeln neu. Die Debüt-Einladung im September war kein Geschenk, sondern die Quittung für einen Frühling, in dem er Gegner in Serie demoralisierte. Fünf Länderspiele, drei Kurzeinsätze in der Qualifikation – genug, um den Geschmack zu bekommen. „Nur wenige dürfen sich Nationalspieler nennen“, sagt er. „Ich will jetzt auch Weltmeister nennen dürfen.“

Die Zahlen sprechen für ihn: In 19 Ligaspielen erzielte Rastoder zwölf Treffer – ein Schnitt, den selbst Superstar Zeki Amdouni in seiner besten Phase nicht erreichte. Thun spielt mit Tempo, Rastoder ist der Ruhepol im Strafraum. Sein Trick: „Ich warte nicht auf den perfekten Moment, ich erfinde ihn.“

Schweiz-duell plant schon nebelkerzen

Schweiz-duell plant schon nebelkerzen

Sollte der Traum Realität werden, wartet im Herbst ein Zusatzbonus. In der Nations League trifft Nordmazedonien auf die Schweiz – zwei Spiele gegen das Land seiner Geburt. „Erst konnte ich es nicht realisieren“, gesteht Rastoder. „Reine Freude.“ Für die Nati wäre es ein Warnschuss: Der Stürmer, der ihre Abwehr kennt wie kein Zweiter, würde mit WM-Elan antreten.

Doch vorher steht Dänemark. Das Team um Christian Eriksen gilt als klarer Favorit, doch Nordmazedonien hat den Beweis geliefert, dass Favoritenrollen nur Papier sind. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Rastoder. „Außer unseren Traum.“

Der FC Thun hält die Daumen, die Fans in Pelkum verfolgen jeden Pass. Und Rastoder? Der läuft heute Abend um 20.45 Uhr auf, weiß: Ein Tor kann reichen, um ein ganzes Land in Ekstase zu versetzen. Die Rechnung ist einfach: Sieg gegen Dänemark, Sieg gegen Tschechien oder Irland – und plötzlich steht ein Thuner Stürmer in Katar, wo sonst nur Superstars spielen. Manchmal genügen zwei Spiele, um ein Leben zu verändern.