Rassismus-debatte eskaliert: 60-jähriger nach hass-kommentaren gegen jess carter verurteilt
Die Gerichtsverhandlung dauerte keine zwei Stunden, doch die Nachwirkungen werden die Fußballwelt noch lange beschäftigen: Ein 60-jähriger Engländer muss sich wegen rassistischer Hassnachrichten an Jess Carter vor Gericht verantworten – und erhält eine Bewährungsstrafe von sechs Wochen sowie ein Stadionverbot von vier Jahren.
Was genau ist dem angeklagten vorgeworfen worden?
Die Anklage liest sich wie ein Lehrbuch für digitale Gewalt: Während der EURO 2025 in der Schweiz verschickte der Beschuldigte über seinen TikTok-Account zwei rassistisch aufgeladene Kommentare an Ann-Kathrin Berger, die Verlobte der deutschen Nationaltorhüterin. Richter Mark Gurrey sprach vom „nackten Neid auf prominente Fußballerinnen“ und stellte klar: „Das Opfer litt unter massiven Angstzuständen.“
Die Verteidigung bemühte sich, die Taten als „Ausrutscher im Internet“ herunterzuspielen – vergeblich. Der Richter wies darauf hin, dass Online-Strafaten ebenso real seien wie Taten auf der Straße und verhängte neben der Bewährungsstrafe 120 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie eine Geldauflage von umgerechnet 275 Euro.

Warum bleibt der täter trotzdem auf freiem fuß?
Die Kamera lief, als der Angeklagte die Hände rang – und das Gericht berücksichtigte mildernde Umstände: Seine 20-jährige Tochter leidet an schwerer Epilepsie und ist auf seine tägliche Betreuung angewiesen. „Er war haarscharf an der Gefängnisschwelle vorbei“, kommentierte ein Gerichtssprecher trocken.
Der englische Fußballverband FA reagierte umgehend und begrüßte das Urteil als „deutliches Signal gegen Hass im Netz“. Gleichzeitig kündigte man an, künftig noch konsequenter gegen rassistische Beschimpfungen vorzugehen – auch wenn sie nur in Kommentarspalten erscheinen.
Für Jess Carter und ihre Teamkolleginnen ist der Prozess ein halber Sieg: Die Europameisterin selbst äußerte sich nicht direkt, dohr in der Kabine von Gotham FC ist die Erleichterung spürbar. „Endlich redet jemand über das, was wir täglich aushalten“, sagte eine Mitspielerin anonym – und wischte sich dabei die Tränen aus den Augen.
Die Botschaft ist klar: Auch hinter Bildschirmen wird jede Beleidigung gezählt. Und manchmal landet sie vor Gericht.
