Raimund kassiert prevc-geschenk und fliegt in lahti zu ersten weltcup-sieg

Die rote Zahl 129,0 Meter leuchtete noch, als Philipp Raimund die Hände auf die Knie stemmte. Domen Prevc hatte gerade die Salpausselkä-Schanze gestürmt, Lahti geglaubt, Geschichte geschrieben. Dann kam die Bombe: 176 Gramm zu wenig auf der Waage. Disqualifikation. Sekunden später war aus Prevc’ Triumph Raimunds Moment geworden – 122,5 Meter, erste Kristall-Gerechtigkeit, erste Tränen.

Der sprung, der erst silber war und dann gold

Der Oberstdorfer hatte sich schon mit Rang zwei arrangiert, als die Slowenen-Delegation wild gestikulierend die Jury umlagerte. Prevc’ Skilänge: 146 % seiner Körpergröße, laut FIS-Regel maximal 145 %. Die Nullrunde zählte trotzdem für den Gesamtweltcup, weil Ryoyu Kobayashi nur Sechster wurde. Prevc sicherte sich damit innerhalb eines Jahres alle fünf „Big-Five“-Titel – schneller als jeder vor ihm.

Raimund nahm die Szenerie mit geröteten Ohren auf. „Ich hab gedacht: Bitte nicht wahr sein“, sagte er später, „dann hab ich gemerkt: Heute ist mein Tag.“ Die 252,5 Punkte reichten vor Daniel Tschofenig (Österreich) und Vladimir Zografski (Bulgarien). Die deutsche Mannschaft dagegen enttäuschte: Karl Geiger (23.), Andreas Wellinger (38.) und Co. schaufelten sich mit weich gesetzten Telemark-Knien tief in die zweite Tabellenhälfte. Nur Pius Paschke (12.) rettete das Minimalziel.

Prevc schreibt geschichte – und seine schwester auch

Prevc schreibt geschichte – und seine schwester auch

Der slowenische Express startete seine Titel-Serie am 8. März 2025 mit der WM-Krone in Trondheim, eilte über die Vierschanzentournee, holte die Skiflug-WM und krönte sich in Cortina d’Ampezzo zum Olympiasieger. Rekord-Nachfolger Matti Nykänen schaffte die „Big Five“ in 1 896 Tagen, Prevc in 364. Dazu kommt das Geschwister-Paar: Nika Prevc sicherte sich am Donnerstag ebenfalls die Gesamtweltcup-Kugel – erstmals gehen die Kristall-Trophäen an Bruder und Schwester.

Am Samstag geht es in Lahti weiter mit dem zweiten Einzel, am Sonntag steht das Super-Team auf dem Programm. Für Raimund ist der Druck weg, für Prevc bleibt die ewige Jagd – und für die DSV-Adler beginnt die Rechnung: Wer reist nach dem Debakel noch mit nach Planica?