Prevc schnappt sich die kugel – und raimund klaut ihm den sieg

Domen Prevc kam, sprang, flog – und durfte trotzdem nicht jubeln. Der Slowene stellte in Lahti mit 129 Metern eine Bestmarke auf, doch seine Skier waren zu kurz für sein Körpergewicht. Die Disqualifikation war nur Sekunden nach seiner Landung besiegelt. Philipp Raimund hingegen stand plötzlich ganz oben, 122,5 Meter reichten zum ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere – 25 Tage nach Gold von der Grossen Olympiaschanze.

Die nullrunde, die geschichte schrieb

Prevc selbst schien den Rauschwert seiner „Niete“ sofort zu begreifen: Er schüttelte den Kopf, grinste dennoch – denn die Kristallkugel ist ihm nicht mehr zu nehmen. Ryoyu Kobayashi wurde nur Sechster, damit bleibt der Slowene auch im Gesamtwertungstrikot unangefochten. Innerhalb von zwölf Monaten hat er alle fünf Einzel-Titel des Sports gesammelt: WM, Vierschanzentournee, Skiflug-WM, Olympia und jetzt den Gesamtweltcup. Matti Nykänen schaffte das zwischen 1983 und 1988 – Prevc brauchte nur 363 Tage.

Der 23-Jährige startete seine Siegesserie am 8. März 2025 in Trondheim. Seitdem gewann er 13 von 19 Einzelwettkämpfen, holte 1.470 von maximal 1.600 Weltcup-Punkten. Die Quote: 91,9 Prozent – so dominant war noch nie jemand in einer Saison.

Geschwister-doppelpack und deutsches fiasko

Geschwister-doppelpack und deutsches fiasko

Bereits am Donnerstag hatte Nika Prevc bei der Frauen-WM in der selben finnischen Schanze den Gesamtweltcup fixiert. Erstmals gehen die Kristallkugeln an ein Geschwisterpaar – ein Novum, das selbst die Marketingabteilung des Weltverbands FIS überrascht. „Wir müssen neue Regeln für Familienrabatt prüfen“, scherzte Präsident Peter Scholl am Rande des Protests der deutschen Delegation.

Denn wo der slowenische Turbo läuft, bleibt der DSV auf der Strecke. Nur Pius Paschke schaffte es als Zwölfter in die Punkte, Karl Geiger folgte auf Rang 23. Andreas Wellinger, einst Olympia-Sieger, landete auf Platz 38 – hinter bulgarischen Quereinsteigern. Die deutsche Equipe verpasste damit die Qualifikation für den Super-Team-Wettbewerb am Wochenende, die letzte Chance auf Podiumsplätze in dieser Saison.

Der verkürzte Ein-Durchgang-Wettkampf ersetzte das wegen Sturms abgesagte Springen von Kuusamo. Organisation und Athleten machten das Beste daraus – doch die deutschen Trainer werden die Nacht durchrechnen. 44 Punkte Rückstand auf Slowenien im Nationencup lautet die vorläufige Bilanz vor dem Saisonfinale in Planica.

Raimund selbst blieb trotz Sieg bescheiden: „Ich wollte nur nach vorn springen, nicht nach vorn schauen.“ Er hätte gern mit Prevc gefeiert – durfte aber nur dessen Silberpokal anfassen. Die Geschichte des Skisprungs schreibt sich weiter, nur die Farbe der Kugel bleibt slowenisch.