Pytlick verpasst golden league: rippen-zerrung stoppt dänemards super-talent
Simon Pytlick bleibt der dänischen Handball-Nationalmannschaft weiter verschlossen. Der 25-jährige Rückraum-Star fällt für die Golden-League-Partien gegen Norwegen, die USA und die Niederlande aus – eine seit der EM im Januar andauerende Rippen-Zerrung blockiert das Comeback.
Die schmerzen nehmen zu, nicht ab
„Ich habe eine Zerrung direkt unterhalb des Rippenbogens, die mich sehr ärgert“, sagte Pytlick gegenüber TV 2 Sport. Die Blessur war schon während der Europameisterschaft spürbar, doch er spielte – wie viele Profis – mit Schmerzmitteln durch. Danach folgten 17 Pflichtspiele für SG Flensburg-Handewitt in Bundesliga und EHF European League, die den Heilprozess ständig unterbrachen. Resultat: statt Rückschritt eine stille Verschlimmerung. Mittlerweile schmerzt jede Drehung, jeder Wurf, jeder Check.
Die goldenen Worte „Länderspielpause“ nutzt er jetzt für intensivere Therapie – nicht für Matchpraxis. Bundestrainer Nicolaj Jacobsen zog Konsequenzen und nominierte Aaron Mensing sowie Nicolaj Jörgensen nach. Beide sind bereits im Trainingslager in Aarhus eingetroffen und stehen bereit, Minuten zu übernehmen, für die Pytlick aktuell kein Körpergewissen hat.

Jacobsen verzichtet auf risiko
Die Entscheidung fiel, bevor die erste Anwurf-Sirene überhaupt ertönt. Jacobsen will nicht wieder in die Falle laufen, Stars halbfit zu bandagieren – erinnert sei an die EM-Viertelfinal-Niederlage gegen Frankreich, als Pytlick noch 55 Minuten durchlief, danach aber tagelang kaum laufen konnte. „Wir brauchen Spieler, die 60 Minuten lang Gas geben können“, sagte der Coach trocken. Die Rotation wird breiter, die Taktik flexibler.
Für Pytlick ist der nächste Stichtag der Nations-League-Start im April. Bis dahin will er 100-prozentige Schmerzfreiheit erreichen. SG Flensburg-Handewitt steht laut Klub-Angaben hinter dem Plan, gibt ihm individuelle Trainingspläne und verzichtet auf öffentliche Druckmache. Die Fans des deutschen Spitzenclubs wissen: Ohne Pytlick lief der Angriff in den letzten Wochen nur in Etappen, statt in Schüben.

Golden league ohne ihren showman
Die Golden League verliert dadurch eine der größten Attraktionen. Pytlicks Linkshand-Würfe aus neun Metern sind in der Statistik so effizient wie sonst nur drei, vier Weltklasse-Kreisläufer. Die Quote: 72 % Trefferquote in der European League, 68 Tore in zwölf Spielen – Zahlen, die jeden Gegner vor der Videostudie frieren lassen. Ohne ihn muss Dänemark die Lücken über Umwege füllen: mehr Tempogegenstoß, mehr Kreislauf-Varianten, mehr Verantwortung für Mikkel Hansen, der nach langer Verletzung selbst noch auf dem Weg nach oben ist.
Die erste Bewährungsprobe kommt am Freitag gegen Norwegen. Die Skandinavier verzichten ebenfalls auf Sander Sagosen, spielen aber in der Defensive aggressiver als je zuvor in diesem Zyklus. Es wird ein Kräftemessen ohne die jeweiligen Superstars – und vielleicht gerade deshalb ein Lehrstück über Tiefe und System.
Für Pytlick heißt es jetzt: Behandlung, Assessment, Aufbau. „Ich will keine halben Sachen mehr“, sagte er. Die verpassten Länderspiele zählt er als Investition, nicht als Ausfall. Wenn er zurückkommt, soll es für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 eine definitive Rechnung geben – ohne Reue-Postscriptum. Bis dahin bleibt das dänische Trikot in seinem Koffer, aber der Fokus liegt auf der nächsten Atemzüge-freien Bewegung. Der Countdown läuft lautlos, die Handball-Welt wartet laut.
