Pulisic verlässt das tor nur noch als statist – milans us-boykott wird teuer
Seit 13 Spielen schießt Christian Pulisic kein Tor mehr, seit 13 Spielen schaut Milan wie der Dumme aus der Wäsche. Der „Captain America“, der bis Weihnachten noch ein Tor pro 74 Minuten erzielte, ist zum Geist im rotschwarzen Angriff verkommen – und niemand im Club wagt öffentlich zu sagen, wie sehr das die Champions-League-Träume lähmt.
Die zahlen, die pioli nicht mehr schönreden kann
0 Tore, 0 Assists, 37 Prozent schlechtere Laufleistung im Vergleich zur Hinrunde. Die Blicke auf dem Trainingsfeld sagen mehr als Statistiken: Rafael Leao schaut Pulisic beim Passspiel nur noch mit einem halb verkniffenen Grinsen an, als würde er einen Kollegen belustigen, der seinen Job verlernt hat. Dabei war das Duo zwischen August und Dezember der Garant für 23 von 41 Milan-Toren. „Wir haben keine Zeit für Therapiegespräche auf dem Platz“, giftete Leao nach der 0:1-Pleite gegen Lazio, als Pulisic ihn zweimal frei vorm Tor nicht sah. Intern heißt es, der Portugiese habe sich im Winter-Trainingslager beschwert, er laufe für zwei. Die Antwort des US-Boys fiel knapp aus: „Ich laufe für meine Familie, mein Land und meinen Vertrag.“
Verletzungszettel statt Vollzugsmeldungen: Bizepssehnenriss, Bursitis, Prellung – alles winzig, aber genug, um die Vorbereitung zu zerreißen. Milan verlor damit nicht nur einen Flügelstürmer, sondern auch die Option, vorzeitig die 40-Millionen-Klausel aus China zu kassieren. Pulisics Berater stellte Verhandlungen über ein neues Kontraktmodell bis nach der WM 2026 aus – ein Schachzug, der Milan-Seite sauer aufstößt. „Wenn er spielt, wie er im Dezember gespielt hat, reden wir über 7 Mio netto plus Boni. Momentan liegt das Angebot bei 4,5 Mio – und das reicht ihm nicht“, verrät ein Insider aus dem Management.

Der sturm ohne pulver
Trainer Stefano Pioli probiert verzweifelt Rezepturen: Pulisic links, rechts, durch die Mitte, sogar als falsche Neun. Keine Variante hält länger als 45 Minuten. Gegen Torino soll er wieder von Beginn an laufen – nicht weil die Form es hergibt, sondern weil Okafor, Chukwueze und Jovic noch tiefer im Formloch graben. Die Curva Sud bereitet bereits ein Transparent vor: „Non sei più il nostro eroe, ma ancora puoi esserlo.“ Die Ironie: Genau diese Mischung aus Druck und Huldigung macht Pulisic wahnsinnig. In der Kabine sitzt er mittlerweile mit Noise-Cancelling-Kopfhörern, redet nur noch mit Tomori und Musah – beide Nationalteam-Kollegen, beide US-Boys.
Milan droht, erstmals seit 2021 wieder außerhalb der Top Vier zu landen. Die Auswärtsbilanz seit Jahresbeginn: 2 Siege, 4 Niederlagen, 5 Tore. Die Tinte auf dem Tabellenblatt trocknet nicht, sie läuft. Und mit jedem Spiel, in dem Pulisic die Kugel nicht ins Netz legt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Klub im Sommer doch zuschlägt: Michael Olise, Yeremy Pino, sogar ein Rückkauf von De Ketelaere wird intern diskutiert. Pulisic weiß das. Seine letzte Instagram-Story: ein Bild aus der U-17-Nationalmannschaft, dazu der Spruch „Remember who you were before they told you who to be.“
Am Sonntag um 20:45 Uhr ist wieder Anstoß im Giuseppe-Meazza. Für Pulisic tickt nicht nur die Uhr bis 2027, sondern auch die bis zur Heim-WM. Wenn er gegen Torino erneut leer ausgeht, dürfte Pioli die Reißleine ziehen – und dann wäre nicht nur ein Transfer drin, sondern auch der erste große Flop der RedBird-Ära besiegelt. Die Fans singen noch, aber die Stimmen werden rauer. In der Kurve ist man bereit, Helden zu feiern – und bereit, sie fallen zu lassen. Pulisic hat 90 Minuten, um sich zu entscheiden: Gott oder Ghost.
