Pubill kopiert llorente: rotlicht-therapie wird zum geheimwaffe der liga
Marc Pubill steht nackt in einer Neon-Röhre. 660 Nanometer schießen auf seine Haut, die Zellen saugen das Licht wie Sonne im Februar. Was beim Atlético-Star Marcos Llorente vor drei Monaten noch wie Science-Fiction wirkte, zieht nun durch die Kabinen der Primera División – und der 22-jährige Außenverteidiger ist der jüngste Gläubige.
Die Rechnung ist simpel: Zehn Minuten unter den roten LEDs sollen Muskelfasern 30 % schneller regenerieren, Entzündungswerte sinken laut Studien um bis zu 23 Punkte. Pubill ließ sich das Gerät von seinem Berater besorgen, nachdem er in der Vorbereitung zwei kleine Faserrisse hatte. Seitdem steht die Lampe neben seinem Koffer, wo früher Energy-Drinks standen.
Llorente war nur der erste, der es zeigte
Der Madrilene postete im Januar ein Foto, halb im Schatten, das Gesicht im Marschrot. 1,7 Millionen Likes, danach schrieben die Physiotherapeuten der Liga WhatsApp-Nachrichten mit demselben Emoji: 🚨. Binnen vier Wochen bestellten sieben Klubs die Panels nach, darunter Betis, Real Sociedad und nun eben Elche. Der Hersteller aus Valencia liefert auf Wochen ausverkauft.
Pubill trainiert damit morgens um 7:30 Uhr, bevor die Mannschaftsräume sich füllen. Er trägt nur eine kurze Hose, die Augen hinter einer schwarzen Brille. „Es fühlt sich an, als würde die Haut trinken“, sagt er im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Die Daten seiner Polar-Uhr zeigen: Herzfrequenzvariabilität plus 12 %, Schlaf-Score von 78 auf 91 Punkte innerhalb von zehn Tagen.
Der Klub zahlt nicht mit. Das Gerät kostet 3.200 Euro, die Behandlung 15 Euro pro Session – ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass eine Muskelverletzung den Spieler für drei Wochen rausnimmt und den Verein rund 180.000 Euro Nettogehalt kostet. Pubill hat sich die Lampe selbst geleast, 24 Monate, 0 % Zinsen. Seine Beraterfirma wirbt das als „Investition in die Karriere“.

Die liga wird zum labor
Was wie Wellness aussieht, ist ein stiller Wettlauf. Wer die Regeneration um 24 Stunden verkürzt, gewinnt am 38. Spieltag vielleicht den entscheidenden Meter. Deshalb testen einige Teams bereits infrarotstimulierte Strümpfe, die das Licht durch Fasern leiten. Andere kombinieren die Therapie mit Kälte-Kammern, um die Mitochondrien zu überraschen: erst minus 110 Grad, dann plus 40. Die Spieler nennen es „Gaspacho für die Zellen“.
Dabei ist die Wissenschaft längst nicht so eindeutig wie die Marketing-Broschüren. Eine Meta-Analyse der Universität von Granada aus 2023 zeigt: Der Effekt ist messbar, aber nur bei kontinuierlicher Anwendung über mindestens zwei Wochen. Kurzfristig wirkt das Rotlicht vor allem psychologisch – das Gefühl, etwas zu tun, das die Konkurrenz noch nicht hat.
Pubill weiß das. Er nutzt die Minuten unter der Lampe, um seine Atmung zu synchronisieren, vier Sekunden ein, vier Sekunden aus. „Ich stelle mir vor, wie die Zellen sich teilen wie nach einem Sieg“, sagt er. Am Samstag steht er wieder in der Startelf. Dann wird sich zeigen, ob das Licht nur glüht oder wirklich brennt.
