Prevc schreibt geschichte: 245,5 m am kulm und die krone ist zum greifen nah

Domen Prevc hat am Kulm nicht einfach gewonnen – er ist geflogen, als gäbe es keine Schwerkraft. 245,5 Meter. Ein neuer Schanzenrekord. Und die nächste Demonstration der Macht. Zweiter Tag, zweiter Sieg. Zwischen ihm und der Gesamtweltcup-Krone steht nur noch ein Freitag in Lahti.

Der flug, der alles andere verblasssen lässt

Der Slowene war schon nach dem ersten Durchgang mit 238 Metern außer Reichweite. Im Finale legte er nach – und ließ seinen Bruder Peter um einen Meter hinter sich. 2016 hatte Peter den Rekord aufgestellt, nun hält Domen die Marke. 13. Saisonsieg, sechster in Serie. Die Konkurrez schaut auf Zahlen, die sich anhören wie Todesstoß: 245,5 m, gesamt 562,7 Punkte. Zweiter wurde Stephan Embacher mit 547,4 Punkten, dritter Johann Andre Forfang mit 528,2. Dahinter: Überraschungsmann Tomofumi Naito mit geliehenen Ski, 242,5 m im ersten Satz, und Andreas Wellinger, der mit 223 und 219,5 m sein bestes Saisonresultat feiert.

Die deutschen Farben bleiben blass. Philipp Raimund, Gold von der Normalschanze, landet mit 215,5 und 212,5 m auf Rang 16 – unter seiner Traumweite von 220 m. „Ich nehme den Spaß mit“, sagt er in die ARD-Kamera, doch der Satz klingt wie ein Trostpreis. Karl Geiger, nicht für Olympia nominiert, fliegt als 17. auf 212,5 und 213 m. Pius Paschke und Luca Roth scheiden erneut im ersten Durchgang aus, Felix Hoffmann schon in der Qualifikation. Die Bilanz: ein Aufwärtstrend nur bei Wellinger, sonst Stagnation.

Die drohung von lahti und das einzige ziel, das noch fehlt

Die drohung von lahti und das einzige ziel, das noch fehlt

Die Formel ist simpel: Gewinnt Prevc am Freitag in Lahti, hat er als zweiter Springer nach Matti Nykänen alle fünf großen Einzeltitel gesammelt – Olympia, WM, Flug-WM, Vierschanzentournee, Gesamtweltcup. 26 Jahre alt, eine Sammlung, die die Geschichte des Skisprungens neuschreibt. Der Druck wächst, aber er trägt ihn wie eine zweite Haut. „Ich springe, weil ich fliegen will, nicht weil ich Rekorde brauche“, sagte er nach dem Rennen. Die Worte klingen wie eine Drohung an die Konkurrenz.

Am Kulm ging die Sonne unter, die Menge tobte, und die Schanze selbst schien zu zittern. 245,5 Meter – das ist keine Zahl mehr, das ist eine Ansage. Wer nächste Woche in Lahti die Krone will, muss erst an Prevc vorbei. Und der ist gerade erst in Fahrt gekommen.